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Festival Neue Musik

XVII. RANDSPIELE ZEPERNICK

10. Juli bis 12. Juli 2009

Sankt-Annen-Kirche

Genesis

Ursprung, Herkunft, Entstehung, Werden, Schaffen….

 

Freitag  -  Samstag  -  Sonntag  -  alle Tage
                        Soundtour

Komponisten

Interpreten

Presse-Echo

Grußwort

 

stark_britta a fg 310 

 

 

 

Flucht -Gefahr-Stillstand-Aufbruch – 20 Jahre nach dem Mauerfall sind es die Jahre vor und nach der Wende, die wĂ€hrend der diesjĂ€hrigen „Zepernicker Randspiele“ mit besonderen  musikalischen Mittel in Szene gesetzt werden.

Ich bin sehr gespannt, ob und wie es gelingen wird, diese Zeit, die jeder von uns in besonderer Weise tief greifend emotional erlebt hat, in Töne zu fassen und dadurch zum „Nachklang“ zu bringen.

In diesem Sinne wĂŒnsche ich uns allen ein interessantes Konzerterlebnis.

Ihre
 

stark_britta U 310

 

Britta Stark  (Zepernicker Ortsvorsteherin)

 

 

 

 

 

GRUSSWORT ZU DEN 17. ZEPERNICKER RANDSPIELEN

 

 

jörg evers 200

 

 

 

Liebe Musikneugierige,

auch im Jahre 2009 schaffen es die Zepernicker Randspiele unter der bewĂ€hrten  Leitung der Kantorin Karin Zapf und der kĂŒnstlerischen Beratung von Helmut Zapf wieder, die Musikfreunde aus nah und fern, neugierig, begierig , ja geradezu sĂŒchtig werden zu lassen nach neuen, unerwarteten musikalischen Hörerlebnissen und ĂŒberraschenden Ereignissen.

 

Diesmal steht das innovative Festival unter dem Motto „Genesis“ - die Schöpfungsgeschichte. Und welches Motto könnte den Schöpfern der Musik , den Komponisten eigentlich nĂ€her stehen, als die ErgrĂŒndung des Schöpfungsaktes in einem individuellen, wie auch kollektiv empfundenen Zeitzusammenhang ?

Der diesjÀhrig gewÀhlte Zeitschnittpunkt ist der Bezug zum Jahre 1989.

Wir können gespannt sein mit welchen Ă€sthetischen Mitteln die Zeitreisen um diesen Fokus herum illustriert und musikalisch manifestiert werden und  welche verschiedenen kompositorischen ZukunftsansĂ€tze dabei kĂŒnstlerisch mit anderen Ausdrucksformen und Environments  verschmelzen und miteinander auf unerwartete Weise reagieren.

Im Namen des Deutschen Komponistenverbandes wĂŒnsche ich allen Zuhörern, Mitwirkenden, Organisatoren und UnterstĂŒtzern dieses einmaligen Festivals viel Erfolg und eine inspirierende, faszinierende Musik-Erlebnisreise. Ich bin sicher, dass die Randspiele so viel Zentripetalkraft weiterhin entwickeln, dass die Wirkkraft der Musik, wenn auch nur fĂŒr ein paar unvergessliche Momente, uns hilft, zum Zentrum unsres individuellen Empfindens erweiternd, erhellend und fokussierend vorzudringen.

Mit besten musikalischen WĂŒnschen

Ihr

Jörg Evers
PrÀsident
Deutscher Komponistenverband e.V.

 

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Freitag,  10. Juli

 

18 Uhr  davor…
Kirche

Lothar VoigtlĂ€nder  »MaikĂ€fer flieg«   (radiophone  Komposition – 1985)

Die Komposition entstand 1985 im Studio des Komponisten in Berlin.

 Das Kinderlied „MaikĂ€fer flieg, Vater ist im Krieg, Mutter ist in Pommerland, Pommerland  ist abgebrannt“ ist eine der in vielen Variationen existierenden Textvarianten, die nach dem 1. und nach dem 2. Weltkrieg die entsprechende politische Situation widerspiegelten. Gegen  Ende der Komposition erklingt das Lied dann mit dem Text: “Schlaf, Kindchen, schlaf, da  draußen ist ein Schaf, ein schwarzes und ein weißes, und wenn du nicht schlĂ€fst, dann beißt  es ..." Die Person der Interpretin hat auch gewechselt: Von der jungen Frau des Anfangs zur  gebrochenen Alten nach dem Krieg – und so ziehen sich mehrere gleichzeitig verlaufende  dramaturgische FĂ€den, sich ĂŒberkreuzend , sich ver-knĂŒpfend durch das StĂŒck - alles mit  relativ wenig Mitteln streng eingehalten (siehe auch Zitat Lale Anderson: “Lili Marleen“ oder:  „Auf, Burschen heraus ....sei es .. zum letzten  Kampf“) - bissige Ironie bis zur Schlusstrauer:  „...ein Wind kommt auf, - versuchen wir zu leben").    1. Preis Bourges 1985, Goldene CD,  beste Kompositionen der letzten 20 Jahre: Frankreich  1992 

 Die technischen Mittel entsprechen einem Privat-Studio in der DDR 1985: 8-Spur Fostex;  einfachste Hall und EffektgerĂ€te;1 Synthesizer, Schallplattenspieler; Revox-Master-Band- maschine. Analoge Bandbearbeitung .

AusfĂŒhrende  AndrĂ© Bartetzki - Elektronik

 

Lothar VoigtlĂ€nder  »structum III«  fĂŒr Orgel solo  (1983 )

Alle Kompositionen, die ich mit dem Titel „Structum„ versehen habe, verfolgen den Gedanken  sich auf einen Parameter zu konzentrieren, auf eine Keimzelle, aus der sich das ganze Werk  in vielerlei Metamorphosen herauskristallisiert. In Structum III ist es das 4-tönige Kopfmotiv,  welches die Komposition im fortissimo eröffnet und in dreistimmiger kanonischer FĂŒhrung ein- drĂŒcklich repitiert. Dieser emphatische Auftakt fĂ€llt recht bald in sich zusammen - ein „ von  fern schwebender Choral“ stagniert das Geschehen zusĂ€tzlich. Schattenhafte und zerrissene  Figurationen bestimmen den Fortgang. Sie verdichten sich allerdings zunehmend. Der  bespielte Tonraum wird umfangreicher, die Bewegung und Dynamik werden heftiger: Eine  „variatio augens" – ein stĂ€ndig sich vergrĂ¶ĂŸernder ambitus treibt das Geschehen voran.  Repetitive Steigerungerungen fĂŒhren zur Kulmination und schlußendlich fordert ein hoch- virtuoser Duktus das Instrument bis an die Grenze seiner LeistungsfĂ€higkeit. Das Plenum, das  volle Werk ist gefordert. Abrupt wird der erreichte Höhepunkt mit einem jĂ€hen Schlag, einem  Cluster ĂŒber die Manuale abgebrochen. Das 4-tönige Kopfmotiv des Anfangs schließt das  Werk im piano, verhalten und ohne Ergebnis, eigentlich mit einem Fragezeichen.
Die UA  erfolgte anlĂ€sslich der Musik-Biennale 1984 im Konzerthaus Berlin.

AusfĂŒhrende   Josefine Horn - Orgel

 

Helmut Zapf  »epilog«  fĂŒr Kontrabass und Zuspiel (1990)

 Ich schrieb das StĂŒck fĂŒr den Jazzer Christoph Winckel (Berlin), der Titel war ursprĂŒnglich  "C&C- Epilog": Die beiden C stehen fĂŒr Computer und Contrabass, es war mein erstes StĂŒck,  welches ich nur mit einem Computer generierte bzw. modulierte. Das zweite Wort und der  heutige Titel "Epilog" steht fĂŒr einen Nachgesang (Abgesang): das StĂŒck entstand noch unter  den EindrĂŒcken der sogenannten „Wende“ von 1989/90 - nach dem im ersten Teil des  StĂŒckes, dessen Aufbegehren und energiegeladener Charakter alles zu einem Höhepunkt und  plötzlichen Zusammenbruch treibt, bildet sich der Epilog mit einem dĂŒsteren und elegischen  Charakter, manchmal scheinen noch marschartige Fetzen durch, eher etwas ratlos und  fragend …

AusfĂŒhrende  Matthias Bauer - Kontrabass, AndrĂ© Bartetzki - Elektronik

 

Karl-Heinz Wahren »Cluster - Spiele«  fĂŒr Orgel solo (1986)

 Der Titel ist wörtlich zu nehmen, denn die Cluster werden hier umspielt, aufgelöst, wieder neu  zusammengesetzt. Die Form dieser Komposition ist rhapsodisch, es treten immer wieder  neue Klangelemente auf, im Gegensatz zu der von Wiederholungen geprĂ€gten "Toccata  appassionata”.

AusfĂŒhrende  Josefine Horn - Orgel

 

Georg Katzer  »mein 1989«  Radiokomposition (Tonband)

 Das HörstĂŒck “Mein 1989” entstand als Reaktion auf die politische Wende in Ostdeutschland  und 10 Jahre nach der radiophonen Komposition "Mon 1789" zum Thema Große Französi- sche Revolution. Der rund 200jĂ€hrige Abstand des epochemachenden Ereignisses zur ost- deutschen Wende war mir Anlaß, beide Daten in Beziehung zu setzen, eine Beziehung, die  einem Vergleich allerdings nicht standhĂ€lt. Daher ist das StĂŒck zum Mauerfall auch eher eine  Farce.

AusfĂŒhrende  AndrĂ© Bartetzki - Elektronik

 

Lutz Glandien  »Es lebe« fĂŒr Tuba und Tonband (1989)

Es lebe basiert auf einem Dialog-Prinzip zwischen live gespieltem Instrument und Tonband- part, der wiederum ausschließlich auf elektroakustisch bearbeiteten lnstrumentalklĂ€ngen  beruht. Beide "Stimmen" sind ausnotiert bzw. eindeutig fixiert. Wesentliche Parameter  kompositorischer Gestaltung sind Klang und Rhythmus, die in dem zweiteiligen StĂŒck die  QualitĂ€t der gestischen Charaktere wie auch die Dramaturgie bestimmen. Der erste Teil  thematisiert den Versuch von Gestaltfindung in der Tuba, entwickelt ein Kontrastpotential  zwischen lnstrument und Tonband und entwickelt in Tempo, Rhythmus und Klangfarbe  verschiedene Möglichkeiten gegensĂ€tzlichen Reagierens aufeinander. Dieser Ansatz zu  einem Dialog gerĂ€t bald ins Stocken, kommt zum Stillstand. Allzu flotter Signalmotivik in der  Tuba als neuem lmpuls setzt der Tonbandpart vereinzelte tiefe, dumpfe Töne entgegen, ein  mĂŒhsamer Versuch, aufeinander zu reagieren, Kontakt aufzunehmen, eine MĂŒhsamkeit, die  zur Farce gerĂ€t. Erst im zweiten Teil kommt es nach markigen Repetitionen und mehreren  vergeblichen AnnĂ€herungen zu einer Art Wechsel"gesang", einem zuerst lebhaften, doch bald  leerlaufenden Dialog, der schließlich zu Eskalation und musikalischem Zusammenbruch fĂŒhrt.  es lebe - aber was eigentlich? Doch auch ohne diesen, sein Gegenteil meinenden Titel - die  Überschriften erfindet Glandien erst nach Beendigung der Komposition - ist der Konfliktstoff in dieser Musik ebenso eindeutig wie die Unmöglichkeit seiner Lösung. Er ist nichts Ă€ußerliches,  sondern aus einer kompositorischen ldee erwachsen, der ein kritisches soziales Bewußtsein  zugrundeliegt.  (Text von Gisela Nauck) 

AusfĂŒhrende  Michael Vogt - Tuba, AndrĂ© Bartetzki - Elektronik

 

Georg Katzer  »BlĂŒhende Landschaften«  Elektroakustische Komposition

 Die MĂŒhen des Beginnens, das stĂ€ndige Scheitern, das ZurĂŒckfallen in die schöne Melancho- lie, Resignation, Schweigen - . Aber dann die rettende Glocke, Hausse an der Börse, der Fort- schritt boomt, sich gierig selbst verschlingend, begleitet vom triumphierend dröhnenden 16-Fuß,  Laudate! Laudate!

AusfĂŒhrende  AndrĂ© Bartetzki - Elektronik

 

 

anlĂ€sslich des PortrĂ€konzertes der jungen slowenischen Komponistin Nana Forte, am Sonntag um 12 Uhr, gibt es zur Eröffnung der Randspiele am Freitag eine BegrĂŒssung mit slowenischen Wein durch die Komponistin

 

 

20 Uhr  geschlagen…
Kirche

Helmut Zapf  »starres gold - weiße stille«  fĂŒr 4 percussionisten (2006/2007)

 ....
 wo sind wir denn jetzt sag wer
 ersĂ€ufte was wir sangen
 das holz ist sauer
 ausgelaugt und klanglos... -
 toter lĂ€rm - 
 ...
 schrilles seufzen unserer schritte
 ...
 starres gold verwechselte den klang
 wenn morgensonne abendsonne sang -
 ...
 keiner aber hob
 den hals in die höh und schrie und niemand
 weiß war es ...
 aller weggebliebener wind
 was entlang der ganzen dĂŒrre
 dieser sommer in ferner höhe hinfuhr...
 fortan tötet ein dröhnen uns
 und braust ĂŒber die welt in weißer stille
 und keiner kennt es -

  aus "stimme stimme" und "coda" von wolfgang hilbig
   (abdruck mit freundlicher genehmigung  des autors)

AusfĂŒhrende  percusemble Berlin

 

Sebastian Stier  »WindflĂŒchter I«   (1998; rev. 2009) UA der rev. Fassung

 WindfĂŒchter I habe ich Ende 1997 bis MĂ€rz 1998 fĂŒr Bill Forman komponiert. Unmittelbar  danach entstand  WindflĂŒchter II  fĂŒr Altflöte. Beide Kompositionen  sind  meinem Lehrer Paul- Heinz Dittrich gewidmet.
 WindflĂŒchter nennt man BĂ€ume, welche hinter den DĂŒnen am Meer wachsen und durch den  stĂ€ndig gegen die KĂŒste stĂŒrmenden Wind in ihrem Wachstum stark behindert werden. Oft  entstehen durch diese Behinderungen bizarre Verformungen und Verwachsungen des  Baumes.
 Wer in meinem StĂŒck neben kontinuierlichen auch sprunghafte Entwicklungen sowie unvermutet schroffe Kontraste hört, mag hier eine Beziehung zum Titel sehen.

AusfĂŒhrende  Nenad Markowitsch - Trompete

 

Steffen Schellhase »fĂŒr 3 Schlagzeuger«

 Der Komponist lĂ€sst sein Werk unkommentiert.

AusfĂŒhrende  percusemble Berlin

 

Michael Jordan  »TROPUS«  fĂŒr Violine Solo

 Das Werk enstand 2008 in Rom.

AusfĂŒhrende  Biliana Voutchkova

 

Gwyn Pritchard  »Dramaloque«  fĂŒr Schlagzeug

 Dramaloque entstand im Jahr 1984 im Auftrag der englischen Schlagzeugerin Elizabeth  Davis.  Wie der Titel andeutet, geht es in dem StĂŒck sowohl um das Theater als auch um  Artikulation und Deklamation.  Was die theatralische Seite angeht, versuchte ich musikalische  Entsprechungen zu finden zu jenen archetypischen dramatischen Prinzipien, die so unter- schiedlichen stilisierten and ritualisierten Theaterformen zugundeliegen wie dem japanischen  No-Theater, dem griechischen Drama der Antike und dem indonesischen Puppentheater.  Das  StĂŒck kann als ein herkömmliches KonzertstĂŒck aufgefĂŒhrt werden oder aber als ein StĂŒck  Musiktheater, wobei der Interpret/die Interpretin dramatische Gesten aus dem körperlichen  Spiel-Prozess entwickelt.

AusfĂŒhrende  percusemble Berlin

 

Johannes Wallmann »Melodien mit Klangfarben« und »Dauern & KlĂ€nge« aus "Partita" - Variationen  fĂŒr Fagott  solo?

 "Melodien mit Klangfarben" und "Dauern & KlĂ€nge" sind der zweite und dritte Satz der  "partita" Variationen fĂŒr Fagott  solo? von Johannes Wallmann. Sie erscheinen zusammen  mit Kompositionen  von Bernd Casper, Friedrich Goldmann,  Georg Katzer, Hermann Keller,  Friedrich Schenker und Helmut Zapf in einem von Dieter HĂ€hnchen herausgegebenen Album  fĂŒr Fagott solo 2010 im Hofmeister-Musikverlag Leipzig. Anliegen dieser 40 Seiten langen  Edition ist es, den Fagottnachwuchs mit den neuen Ausdrucksmöglichkeiten zeitgenössischer  Musik bekannt zu machen.
 Jeder der insgesamt 4 SĂ€tze der Partita ist von einer neuen Spieltechnik geprĂ€gt. "Melodien  mit Klangfarben" entstehen durch KlangfarbenverĂ€nderungen immer eines einzelnen Tones.  In "Dauern & KlĂ€nge" gibt es eine Vielzahl von ungewöhnlichen MehrklĂ€ngen und Trillern bis  Takt 35. Der Takt 36 bildet eine Symmetrieachse und danach laufen die Takte wieder bis zum  ersten Takt zurĂŒck, so dass der erste und letzte Takt identisch sind. (Dieter HĂ€hnchen)

AusfĂŒhrende  Dieter HĂ€hnchen - Fagott

 

Michael Hirsch  »HolzstĂŒcke I-IV  (Das Konvolut, Vol. 4)  UA fĂŒr variable Besetzung: Schlagzeuger, GerĂ€uschemacher und Zuspielungen(1990/97/99,  rev. 2009)

 "HolzstĂŒcke I-IV (Das Konvolut, Vol.4)" ist eine kleine Serie von StĂŒcken fĂŒr verschiedene Holz- objekte und -instrumente, die in verschiedenen Kombinationen simultan aufgefĂŒhrt werden  können.
 â€žHolzstĂŒck I“ fĂŒr einen Schlagzeuger (1990) besteht aus einem Notentext, der in drei Durch- lĂ€ufen realisiert wird, denen jeweils stark differierende Spielanweisungen zugrunde liegen, so  dass sich eine dreiteilige Variationsform ergibt.
 â€žHolzstĂŒck II“ wurde 1997 im Elektronischen Studio der Technischen UniversitĂ€t Berlin auf  Anregung des dortigen Leiters Folkmar Hein produziert. Das Ausgangsmaterial besteht aus  einem Spielverlauf, der sich im Wesentlichen auf RollvorgĂ€nge verschiedener kleiner  Holzkugeln beschrĂ€nkt. Die Aufnahme wurde verschiedenen Transpositionen unterzogen und  zu einem polyphonen Ablauf montiert.
 â€žHolzstĂŒck III“ (1999) besteht aus einer relativ schlichten Spieldisposition fĂŒr (mindestens) 2  AusfĂŒhrende (“GerĂ€uschemacher”). Das monochrome Klangfeld, das von den beiden Spielern  etabliert wird, wird in einer sukzessiv immer mehr durch Pausen perforierten Zeitkomposition  zunehmend vielgestaltig.
 â€žHolzstĂŒck IV“ (1999)  ist kein eigenstĂ€ndiges StĂŒck, sondern eine Zuspiel-CD, die in loser  Folge HolzgerĂ€usche als „objets trouvĂ©s“ enthĂ€lt und ad libitum simultan zu einer AuffĂŒhrung  von einem oder mehreren StĂŒcken der „HolzstĂŒcke“ -Serie dazugespielt werden kann.
 FĂŒr die UrauffĂŒhrung des (simultan zu spielenden) Gesamtzyklus in Zepernick 2009 wurden die  StĂŒcke noch einmal geringfĂŒgig revidiert und dabei in den offen angelegten Werkkomplex “Das  Kolvolut” als “Volumen 4” integriert.

AusfĂŒhrende  percusemble Berlin

 

22 Uhr  danach…

Kirche

Walter Zimmermann  »Songs of Innocence and Experience I«  fĂŒr Streichquartett und Tonband

 Songs of Innocence and Experience  is a composition of 20 ritornels following William Blakes  first cycle of poems "Songs of Innocence". The spirit of each poem is condensed and  projected onto children songs which I recorded on streets of NĂŒrnberg about 20 years ago. I  transcribed these songs with all the intonation mistakes and the repeating of phrases due to  recalling and forgetting of the songline. I remembered having driven through the US, years  back, taking a hitchhiker into the car who had Ginsbergs songs of Blakes "Tiger" and others  on a cassette with him. The rough energy of Ginsbergs singing lingered on. Then I heard from  David Harringtons son who died on a sunday walk with his father all of a sudden on Mount  Diabolo south of San Francisco. The last two ritornels are written in memory to this loss. The  most fragile in this rough world is the soul of a child. To keep it in oneself as a measure for  alienation is important the older one gets.

AusfĂŒhrende  Sonar-Streichquartett:
      Susanne Zapf - Violine,  Kirsten Harms - Violine
      Nikolaus Schlierf - Viola,  Cosima Gerhard - Violoncello
 

Sam Hayden  »Axe(s)« (1997/2008/09)  fĂŒr Gitarre solo

 Axe(s) was composed using seven different symmetrical pitch-sets over the full range of the  guitar. certain microtones form ‚axis‘ pitches that divide the pithch-fields in half and usually  sound as bi-tones. Intervals are freely repeated, transposed, verticalised and inverted; there is  no fixed linear odering of pitches. However, the registers are fixed, and the statistical  predominance of certain bass pitches gives the music a quasi-modal sense. The complex  rhythmic patterns were generated using random numbers to define attack points within  rhythmic groupings. A two-part rhythmic counterpoint articulates the upper and lower registers  of the pitch-fields. The upper guitar register is dominated by various harmonics and  multiphonics.The lower register is dominated by fretted notes, hammer-on, ‚snap‘-pizzicato  and half harmonics. An important part of the formal process involves the exploitation of the  tensions between equal temperament and just intonation. I used a background proportional  grid to intercut five distinct gestural types but the proliferation of these virtuosic musical  surfaces destroys the audibility of the hidden global proportions. A slower, more intuitively  composed, non-rationalised music is intercut with the other four more energetic materials that  were constructed through more rationalised prodecures. This guarantees a n unpredictable  non-narrative structure and a fragmented rather than monalithic form. The title not only refers  to the pitch organisation but ‚axe‘ is also a slang word for the guitar. My aim was to explore the  many sound possibilities of the instrument that I only became aware of after an intense  collaboration with Mats Scheidegger. Axe(s) is dedicated to him.

AusfĂŒhrende  Mats Scheidegger (CH) - Gitarre

 

Paul-Heinz Dittrich  »Streichquartett III  „Nacht – Musik“« nach „Hymnen an die Nacht“ von Novalis (1988) 

 Das III. Streichquartett, das ich 1987/1988 komponierte, wurde am 25.2. 1989 wĂ€hrend der  Biennale fĂŒr zeitgenössische Musik in Berlin-Ost vom Arditti-Quartett uraufgefĂŒhrt.
 Als die Musiker des Arditti-Quartetts mich aufforderten, fĂŒr sie ein neues Werk zu schreiben,  nachdem sie mein II. Streichquartett uraufgefĂŒhrt hatten, nahm ich diese Aufforderung zum  Anlass, eine bestimmte Kompositionstechnik zu verwenden. Diese Technik, die mich in den  letzten Jahren in zunehmendem Maße beschĂ€ftigt – nicht nur bei Streichinstrumenten,  sondern in allen meinen Werken -, folgt der Idee, dass jedes Instrument auch polyphon zu  fĂŒhren sei. Die Polyphonie fĂŒr das einzelne Instrument wird in parallel verlaufenden Linien  notiert, wobei die Unterbrechungen als Interaktionen notwendig sind. Es kommt  zu einem  schnellen Wechsel von unterschiedlichen Strukturen. Aus stark individualisierten  Mikrostrukturen entstehen vielschichtige Klangbilder, die ineinander ĂŒbergehen und ihre  Dichte wechseln.
 Die Form des Streichquartetts ist in vier Teile gegliedert, die ineinanderfließen. Der erste und  der dritte Teil, und der zweite und der vierte Teil stehen in Verbindung zu einander, weisen  gestalterische Ähnlichkeiten auf.
 In der Formgestaltung bevorzuge ich seit langem, so auch in diesem Werk, das Nacheinander  von Fragmenten - Etappen in einer durchorganisierten dramaturgischen Folge -, die sich der  Notwendigkeit eines wechselhaften Verlaufs unterwerfen.
 Mein III. Streichquartett ist in Verbindung mit Literatur entstanden, so wie die meisten meiner  Werke. Hier benutze ich einzelne Fragmente aus den Hymnen an die Nacht von Novalis. Im  zweiten und vierten Teil habe ich die Texte in die Partitur und in die einzelnen Stimmen der  Instrumente geschrieben. Die Textfragmente sind nur fĂŒr die Musiker bestimmt. Die  Wechselbeziehungen Text-Musik, die die Instrumentalisten  zum Notentext parallel verfolgen  können, sind Denkmaterial, welches die Interpretation beeinflusst.
 Die Komposition ist nicht als musikalische Auslegung der Hymnen konzipiert worden. Meine  kompositorische Arbeit begann mit der kritischen Auseinandersetzung des literarischen  Textes. Hier fand auch die grĂ¶ĂŸte AnnĂ€herung an die Poesie statt. In der Komposition wird der  poetische Text einer Reduktion unterworfen. Sie besteht in der Auswahl von Textfragmenten.  Die poetische Sprache der ausgewĂ€hlten Fragmente bleibt als stumme Schrift verborgen fĂŒr  die Zuhörer. Die Musik distanziert sich von den konkreten Inhalten und will durch das  musikalische Geschehen verstanden werden. Durch den Sinninhalt einzelner Wörter – wie  z.B. „Nacht“, „Licht“, „zerfallen“, „einsam“, „schweigender Bote“ – wurde der Prozess der  Sensibilisierung des Klanges motiviert.
 Einige Fragmente in dem zweiten Teil und ein Fragment aus dem vierten Teil habe ich  Hymnen genannt, daneben in Klammern habe ich das Wort Rezitativ gesetzt. Mit Hymne  weise ich auf die Textfragmente von Novalis hin, mit Rezitativ auf die spezifisch musikalische  Art und Weise, mit der Sprache umzugehen. Die Benennung der Rezitativform war fĂŒr mich  berechtigt, weil sich die Deklamation des Textes im musikalischen Verlauf wiederfindet. Diese  Teile unterscheiden sich von den anderen durch ihren deklamatorischen Gestus.
 Zur Poesie von Novalis. Die Hymnen an die Nacht (1799) sind die bedeutendste, erste große  lyrische Leistung der deutschen FrĂŒhromantik. Eine andere, auf das Ich bezogene Weltsicht  war der Grundgedanke, die objektive AuthentizitĂ€t, der Beziehungspunkt der Wirklichkeit des  lyrischen Ichs zur Überwindung von Leid und Einsamkeit. Zwischen dem Reichtum des  lyrischen SprachĂŒberschusses und der BewĂ€ltigung des komplexen musikalischen Materials  andererseits, entstand die Form des III. Streichquartetts. Ich versuchte die Grundhaltung der  Texte zu erfassen und vermied jede illustrative AnnĂ€herung zum Text.
 Ein konkretes Beispiel fĂŒr meine kompositorische Arbeit mit der Sprache kann vielleicht die  Hörerwartungen unterstĂŒtzen: Auf den letzten Partitur-Seiten am Ende des 2. Teils stehen die  Worte „Wie in Staub und LĂŒfte zerfiel in dunkle Worte die unermessliche BlĂŒte des Lebens“. In  den vier instrumentalen Stimmen werden kurze, motivartige Gebilde wiederholend  vorgetragen, in einer metrisch- rhythmischen Verschiebung. Die Musik erreicht allmĂ€hlich die  Grenze des Hörbaren

AusfĂŒhrende  Sonar-Streichquartett
      Susanne Zapf - Violine,  Kirsten Harms - Violine
      Nikolaus Schlierf - Viola,  Cosima Gerhard - Violoncello

 

top 6 

 

 

 

 

Samstag, 5. Juli
neue Kita der St.Annen-Kirchengemeinde 

16 Uhr  wie ein MĂ€rchen…

Sabine Steglich erzÀhlt einige MÀrchen aus Otto Sutermeister:
"Kinder- und HausmÀrchen aus der Schweiz".

Darunter z. B. : "Das weiße Steinchen", "Die drei Pomeranzen", "Der mutige Bettler".
Sie stellt sich allerdings auf das Publikum ein und ist somit auch variabel.

Die Musik dazu ist von
Taymur Streng  »drey us dr Schwiiz«

Die 3 (eigentlich 4) kleinen StĂŒcke
 prolog
 interlude 1
 interlude 2
 epilog

entstanden auf Anregung von Helmut Zapf, zur Ausgestaltung der Pausen wÀhrend der Lesung von schweizerischen MÀrchen und Geschichten, welche am 12.07.09 zur Eröffnung der Evangel. Kita der Gemeinde St.-Annen in Zepernick stattfindet.
Aus dem Material der StĂŒcke, wurde ein FĂŒnftes erstellt, welches als Soundloop (LĂ€nge ca. 5 min) in einer Klanginstallation in der Kita dient...
Das Material im Gesamten stellt eine Remineszenz an die kleinen Intros "von den Schweizer Bergen" dar, welches ursprĂŒnglich z.T. spielerisch benutzt wurde...dieses Material ist in den jetzigen StĂŒcken,  mehr oder weniger, einem kompositor. Verabeitungsprozess unterzogen worden.
Im ersten StĂŒck (Dauer ca. 5 min) werden versch. kl. Motive (Alphörner etc. ) eingesetzt, kurze Zeit ertönt ein Teil einer bekannten Melodie, die durch die Verfilmung eines gewissen Buches bekannt geworden ist, durch festgelegte dynam. Stufen der AlphornklĂ€nge entsteht eine  Art Terassendynamik welche nur an wenigen Stellen durchbrochen wird, die elektronische Verfremdung wird im StĂŒck nur sehr sparsam eingesetzt.
Das zweite StĂŒck (Dauer 3 min) stellt eine "akustische Berg- und Talfahrt dar - man nĂ€hert sich dem Ort, vernimmt Musik, Auschnitte von Melodien etc. entfernt sich, um sich dem nĂ€chsten Ereignis zu widmen.
Das dritte StĂŒck (Dauer 2 min) verwendet eigentlich nur  zwei KlĂ€nge: eine rollende Metallkugel sowie geschlagenes Metall, diese KlĂ€nge werden wĂ€hrend des Verlaufes des StĂŒcks einigen VerĂ€nderungen unterworfen, die KlĂ€nge wechseln einander ab verdichten sich, die el. Verfremdung wird nur subtil eingesetzt
Im vierten und letzten StĂŒck (Dauer 1 min) findet ein "kleines Uhrenkonzert" statt, Ticken, Schlagen der Uhrwerke Glocken-, WeckerklĂ€nge u.a. gesellen sich im Verlauf hinzu
Auch diesmal möchte ich mich bei den "Mitwirkenden", es sind diesmal, vor allem im ersten StĂŒck und in der Klanginstallation die "Damen und Herren": Steinadler, Bartgeier, Gemse, Murmeltier, AlpenkrĂ€he, Rind und Auerhahn recht herzlich bedanken...

AusfĂŒhrende  Egidius Streiff - Violine, Mats Scheidegger - Gitarre, Taymur Streng - Live-Elektronik
 

 

17 Uhr  migration…
im Gemeindehaus

Helmut Zapf  »Wasser - Luft«   fĂŒr Trompete, Violine und Klavier(2008)

 Dieses StĂŒck bindet die beiden Urelemente der Natur (Wasser und Luft) als Klangmaterial,  bzw. Ausgangsmaterial, um ein spielerisches StĂŒck fĂŒr angehende Musikanten entstehen zu  lassen.

AusfĂŒhrende Teenmusik  (Mirjam Janietz - Violine, Lena Michael - Klavier, Sönke Peters - Trompete)

 

Julia Kny  »Imagining Mariana« 

 Die Klangkompositionen "Imagining Mariana" und "A London Moment" sind zur selben Zeit  und unter den gleichen kompositorischen und technologischen Parametern entstanden,  sodass  es sich wohl um eine Art Zwillingswerk handelt.
 Beiden kurzen StĂŒcken liegt die Erschaffung kĂŒnstlicher KlĂ€nge zu Grunde, die mit Hilfe  additiver, substraktiver und FM-Synthese hergestellt wurden. Mit einem digitalen  Musikprogramm wurden diese einzelnen KlĂ€nge dann zu Kompositionen zusammengefĂŒgt,  deren Ästhetik und Ausdruck widerum maßgeblich durch spezifische Klangmanipulation  (Effekte, Spatialisierung, Granulation etc) erzielt wurde.
 "Imagining Mariana" beschreibt in metaphorischen KlĂ€ngen die von mir imaginierte  Unterwasserwelt des tiefsten Grabenbruchs der Welt (der Mariana-Graben, im Westpazifik  11Km unter dem Nullpunkt gelegen). Ich habe hier mit typischen Assoziationen gearbeitet:  Tiefe, Gefahr, Dunkelheit, geheimnisvolle Welt, Meeresungeheuer etc..

AusfĂŒhrende  AndrĂ© Bartetzki - Elektronik 

 

Max E. Keller  »Nr. 2 und Nr . 4 aus: Vier KlavierstĂŒcke«  (1993)

 Viele meiner Kompositionen basieren auf einem rigorosen Grundplan, die vier KlavierstĂŒcke  dagegen gehen eher improvisatorisch vor, indem spontane, einfache Startideen fortentwickelt  werden, unvermittelt tauchen Kontrastmotive auf, die ĂŒberwuchern oder versanden.
 Das zweite StĂŒck reiht MehrklĂ€nge in mittlerer Lage und mittlerer Dynamik aneinander, indem  der Ein- und der Ausschwingvorgang differenziert gestaltet werden. Die ruhige Stimmung wird  nur hie und da durch einen heftigen Impuls gestört, der zugleich die Reihenstruktur  durchbricht. Eine subtilere Irritation ist die Wiederholung eines Akkordes, die in der  Verdichtung zum Schlussausbruch fĂŒhrt.
 Die Grundidee des vierten StĂŒckes ist es, einen Akkord motorisch virtuos zu repetieren und  ihn dabei in unregelmĂ€ssigen AbstĂ€nden kontinuierlich oder sprunghaft zu verĂ€ndern- sei’s  klanglich, sei’s artikulatorisch, sei’s dynamisch. Die kompositorische Realisierung dieser  spielerischen Idee geschieht allerdings nach strengen Strukturprinzipien.

AusfĂŒhrende  Tomas BĂ€chli

 

Julia Kny  »A London Moment« 

 Siehe oben.
 "A London Moment" ist in gewisser Weise ein krasses Gegenbild dazu. Hier herrscht vor allem  (akustische) Hektik, Gereiztheit, Enge, Geschwindigkeit, aber auch ungebĂ€ndigte Energie und  Streben. Dies sind einige der stĂ€rksten urbanen EindrĂŒcke, die sich wĂ€hrend meiner  langjĂ€hrigen Zeit in London angesammelt haben.

AusfĂŒhrende  AndrĂ© Bartetzki - Elektronik

 

Eres Holz  »Zirkulationen«  fĂŒr Klavier

 Der Komponist möchte sein Werk nicht kommentieren.

AusfĂŒhrende  Adrian Pavlov

 

Ortswechsel zur Kirche

Lothar VoigtlĂ€nder  »ScĂšne fou avec Rimbaud« 
fĂŒr einen sprechenden Instrumentalisten,
eine Interpretin (Instrument, Sprache, percussive GegenstĂ€nde) und Zuspielband   
gewidmet  Matthias B. und Maria

 Zum Hintergrund der szenischen Kammermusik :
 Rimbaud nahm zeitweise Drogen, um neue Deutungen und Visionen fĂŒr Sein und  Bewusstsein zu erlangen und neue poetische Dimensionen aufzutun ( z.B.in: „Illuminations“ )
 Im vorliegenden Gedicht aus „ Nachtwachen „ fĂŒhrt dies augenscheinlich zu visionĂ€ren Welt,-  und Paradies-Erfahrungen…. ( siehe Baudelaire :“ paradis artificiels „).
 Die Handelnden sind : Ein sprechender Instrumentalist , der sich von der Gliederung und  Klanglichkeit des Zuspielbandes leiten lĂ€sst …Zu Beginn trĂ€umt und philosophiert er vor sich  hin, spĂ€ter gerĂ€t er in eine emsig bemĂŒhte Pseudo-AktivitĂ€t, die ihm vom elektronischen  Zuspiel rhythmisch suggeriert wird. Schließlich steigert er sich in eine hektische  Betriebsamkeit hinein, die zu einem hysterischen Ausbruch mit nachfolgender Depression  fĂŒhrt.
 Eine Interpretin, die zwar im gleichen Raum an einem Tische sitzend vor sich hin spricht,  nimmt aber (ihrerseits in einer hermetischen Welt gefangen) keine dialogisierende Beziehung  zum Instrumentalisten auf. Sie schlĂ€gt mit div. GegenstĂ€nden die Zeit tot, jongliert mit einem  Zeitpendel, in Form einer rollenden Metallkugel, (oder einem Metronom), tippt unlustig ein  paar Tasten auf der Schreibmaschine an, zerreißt ein SchriftstĂŒck , repetiert die Texte (etwas  abwesend) auf ihre Art vor sich hin, bis ihr einige Sekunden vor Schluss (in einem lichten  Moment) die Hysterie des Anderen auf die Nerven geht und sie mit einem Schlaginstrument  die Exaltiertheit stoppt und die gewöhnliche Fremdheit und Abgrenzung wieder hergestellt ist.

 

 VeillĂ©es -  Nachtwachen

 CÂŽest le repos Ă©clairĂ©, ni fiĂšvre, ni langueur,  
 sur le lit ou sur le prĂ©

 CÂŽest lÂŽami ni ardent ni faible. LÂŽami .

 CÂŽest lÂŽaimĂ©e ni tourmentante ni tourmentĂ©e. LÂŽaimĂ©e.

 LÂŽair et le monde point cherchĂ©s. La vie.

 - Était-ce donc ceci ?

 - Et le rĂȘve fraĂźchĂźt.

 _________________________________________________

 Das ist sinnenhelle Ruhe, nicht Eifern, nicht Schmachten,
 auf einer Matte oder im Gras.

 Das ist der Freund, nicht glĂŒhend, nicht schwach. Der Freund.

 Das ist die Geliebte, nicht quĂ€lend, nicht gequĂ€lt. Die Geliebte.

 Die Welt und die Weise, nimmer gesucht. Das Leben.

 - Das also war es ?

 - Und wieder steigen die TrĂ€ume.

AusfĂŒhrende  Matthias Bauer - Kontrabass/Stimme;  Maria Lucchese - Performance

 

Eres Holz  »Transmigration« fĂŒr Tonband

 Der Komponist möchte sein Werk nicht kommentieren.

AusfĂŒhrende  AndrĂ© Bartetzki - Elektronik

 

Adrian Pavlov  »Buch der Stimmen«  fĂŒr Sopran, Altflöte, Violoncello (2007-08)

 Das Buch der Stimmen stellt eine Art Kantate fĂŒr Sopran, Altflöte, Violoncello und zehn  Singstimmen in zwei Gruppen dar, deren SĂ€tze teilweise einzeln oder in der vorliegenden  Anordnung auffĂŒhrbar sind. Die Texte der bulgarischen Dichter Pejo Yavorov, Danila  Stoyanova und Kiril Merdschanski, sowie ein Fragment aus Canto CXX von Ezra Pound (in  meiner eigenen Übersetzung auf Bulgarisch) stellen in einer psychologisch sehr eindringlichen  Weise verschiedene Etappen des menschlichen Lebens dar - die kindliche Unschuld  (Improvisation I, No.1), die Erleuchtung ĂŒber die Einsamkeit des Individuums im Leben  (Regen, No.2) und ĂŒber die Sterblichkeit des Menschen (Die Welt durch den Blick des  Odysseus, No.4), sowie den Wunsch des KĂŒnstlers nach Vereinigung mit der Natur  (SchlußstĂŒck, No.5).
 Der mittlere Satz des Werkes (Improvisation II, No.3) beruht auf der Entwicklung eines Motivs  aus Improvisation I. Diese Besonderheit, sowie die abstrakte, dennoch aber sprachĂ€hnliche  TonqualitĂ€t des Violoncellos, ermöglicht das Entstehen einer BrĂŒcke zwischen den poetischen  Ideen der davorstehenden und nachfolgenden SĂ€tzen des "Buches". In Improvisation II  eröffneten sich fĂŒr mich neue Perspektiven des konstruktiven Umgangs mit der reichen  Volksmusikerbe meines Heimatlandes.
 Im Rahmen des heutigen Konzerts werden unter dem Titel "Drei Fragmente aus dem "Buch  der Stimmen" die Teile 1,3 und 5 zu hören sein. (Adrian Pavlov)

AusfĂŒhrende  Katia Guedes - Sopran, Martin GlĂŒck -Flöte, Agnieszka Dziubak - Violoncello

 

AndrĂ© Bartetzki  »neoZoen«  fĂŒr fĂŒr 4-Kanal-Tonband

 Als Neozoen (aus dem Griechischen: neon - neu, zoon - Lebewesen) bezeichnet man  Tierarten, die direkt oder indirekt durch die Wirkung des Menschen in andere Gebiete  eingefĂŒhrt worden sind und sich dort fest etabliert haben. Der ĂŒbergeordnete Begriff in der  Invasionsbiologie lautet Neobiota.

AusfĂŒhrende  AndrĂ© Bartetzki

 

Georg Katzer  »Lamettrie«  fĂŒr Kontrabass, Stimme und Zuspiel

Einige Ansichten zum mechanischen Menschen  vorgetragen von Lamettrie am 28. Februar 1748 im Schloß Sanssouci in Anwesenheit Sr. MajestĂ€t des Königs von Preußen.

 Der französische Arzt, Naturwissenschaftler und Philosoph hatte beim Sezieren die Seele  nicht gefunden und faßte, ganz im Geiste Descartes, den Menschen als Maschine auf. Sein  Buch "LÂŽhomme machine" (Der Maschinenmensch) kostete ihn sein Vaterland: Er mußte aus  Frankreich flĂŒchten und landete schließlich in Preußen, am  Hof Friedrich des Zweiten, wo er  dessen Vorleser und Leibarzt wurde. Obwohl Mitglied der Preußischen Akademie der  Wissenschaften,  hielt man seine Ansichten auch in Berlin fĂŒr zu extravagant und ihn selbst fĂŒr  verrĂŒckt.
 Lamettrie war der erste Philosoph, der die Freiheit des menschlichen Willens in Frage stellte
 Das zur AuffĂŒhrung kommende StĂŒck versucht die Szene zu beschwören, als Lamettrie sich  beim König mit einem Vortrag um dessen Gunst bemĂŒht.           
(Text: G. Katzer nach Lamettrie. 1999)

AusfĂŒhrende  Matthias Bauer - Kontrabaß und Stimme, Helmut Zapf - Live-Elektronik  

 

 

19 Uhr  hier und nebenan…
Kirche

Thomas Kessler  »violin control«  fĂŒr Violine und Synthesizer (1972)

 Der Komponist möchte sein Werk nicht kommentieren.

AusfĂŒhrende  Egidius Streiff - Violine

 

RenĂ© Wohlhauser  »vocis imago«  Version fĂŒr Violine solo (1993-95)

 Der Titel „vocis imago“ referiert eine Stelle aus Ovids „Metamorphosen“ (3.385) und eine aus  seinen „Amores“ (2.37).

 â€žvocis imago“, wortwörtlich ĂŒbersetzt als „das Bild der Stimme“, erhĂ€lt bei Ovid poetische  Bedeutungen im Sinne von „Widerhall“ oder „Echo“, aber auch von „eingebildeter Stimme“.  „deceptus imagine vocis“, getĂ€uscht vom Bild der Stimme bzw. vom widerhallenden Echo  weiß der Mensch nicht mehr, welches seine wirkliche RealitĂ€t ist: die emotional gefĂ€rbte  Wahrnehmung der Ă€ußeren VorgĂ€nge oder die durch die Ă€ußeren VorgĂ€nge evozierten  inneren Bilder? Entspricht unsere Vorstellung von der Wirklichkeit tatsĂ€chlich der RealitĂ€t? Im  Zeitalter der medialen Vermittlung von RealitĂ€t ist es schwierig, sich stĂ€ndig ins Bewußtsein  zurĂŒckzurufen, daß wir immer nur einen bestimmten Ausschnitt der VorgĂ€nge vermittelt  bekommen, eine bestimmte Sichtweise, unterlegt mit einem die Ereignisse in eine bestimmte  Richtung hin interpretierenden Kommentar, der auf unseren kulturell-historischen Hintergrund  abgestimmt ist. Also bekommen wir eigentlich nur ein Zerrbild der RealitĂ€t vermittelt. Reduziert  auf einen Zweiminutenbeitrag im InfotainmentgeschĂ€ft. Die gleichen Ereignisse werden in  einem anderen Kulturkreis völlig anders vermittelt und dementsprechend auch kontrĂ€r  aufgefaßt. Wir sind umgeben von Schattenbildern der RealitĂ€t, die wir fĂŒr die RealitĂ€t selbst  halten.
 Welches ist die Stimme selbst und welches ist nur das Bild der Stimme?
 Das StĂŒck besteht insgesamt aus sechs ineinander ĂŒbergehenden Bildern und aus  dreiundneunzig asynchron sich ĂŒberlappenden Bildaspekten mit Bezeichnungen wie  „amphibolisch, Ă€quivok, delphisch, odiös, polysemantisch, pythisch, sibyllinisch …“ in  verschiedenen Fassungen und Besetzungen vom Solo bis zum Sextett.
 Aus dem 20-minĂŒtigen Werk in den verschiedensten Besetzungskombinationen vom Sextett  fĂŒr Flöte, Klarinette, Schlagzeug, Klavier, Violine und Violoncello bis zum Solo spielt Egidius  Streiff das 3-minĂŒtige dritte Bild in der Version fĂŒr Violine solo.

AusfĂŒhrende  Egidius Streiff - Violine

 

Ralf Hoyer  »Studie 2« fĂŒr 4 Posaunen (1978)

 entstand wĂ€hrend meiner MeisterschĂŒlerzeit an der AdK bei Ruth Zechlin. Zum einen war es  fĂŒr mich tatsĂ€chlich eine Materialstudie bezĂŒglich Tonhöhen- und Zeitorganisation, angeregt  durch die LektĂŒre der beiden BĂ€nde "Musikdenken heute" von Pierre Boulez. Zum anderen  belegt der Titel "In der Zeit" den Beginn der BeschĂ€ftigung mit Texten von Volker Braun, der  sehr kritisch und direkt eine allgemeine Erwartungshaltung formulierte, die meinem damaligen  LebensgefĂŒhl entsprach.

AusfĂŒhrende  Posaunenquartett TromboNova

 

Rudolf Kelterborn  »Musik fĂŒr Violine und Gitarre« 

Die „Musik fĂŒr Violine und Gitarre“ entstand  1963 fĂŒr das Grazer Kammerduo.
 Die kleine Gelegenheitskomposition besteht aus vier Teilen:
  1) Sostenuto – ein einfaches „arioso“der Violine
  2) Presto – ein nervöses, aufgeregtes, vorwiegend leises StĂŒck
  3) Violente -  ein eher aggressives Rezitativ
  4) Tranquillo – eine zarter, tĂ€nzerisch-schwebender Abgesang

AusfĂŒhrende  Egidius Streiff - Violine, Mats Scheidegger - Gitarre

 

Friedrich Schenker  » Kommunizierende Röhren II«  fĂŒr vier Posaunen

 ist das dritte StĂŒck einer Reihe Kompositionen fĂŒr Blasinstrumente. Das erste StĂŒck war fĂŒr  Soloposaune und 8 BlĂ€ser, davon gibt es zwei Versionen. Das vorerst letzte ist komponiert fĂŒr  Blockflötentrio .
 Das Posaunenquartett demonstriert eine große Reihe neuester Blastechniken: Singen und  Blasen simultan, Mikrointervalle, Sprechen und Blasen, Spiel auf Segmenten der Posaunen  usw. Die in der Mitte zelebrierten Glissande erinnern an den Luftalarm, an die  Bombardements auf den Irak oder  frĂŒher noch auf Serbien.

AusfĂŒhrende  Posaunenquartett TromboNova

 

Robert Suter  »dialogo«  fĂŒr Violine solo

 kann man als einen streit fĂŒr geige allein bezeichnen, ein musiktheater im (aller)kleinsten  rahmen. e.s. spielte dieses werk in den verschiensten lĂ€ndern (sei es in deutschland, china  oder nordkorea), immer liess sich das publikum vom geistreichen witz dieser virtuosen  komposition mitreissen.

AusfĂŒhrende  Egidius Streiff - Violine

 

Max E. Keller  »Hasten und Warten«  fĂŒr Violine und Live-Elektronik (2008)

 Die gleichmĂ€ssig pulsierende RegelmĂ€ssigkeit des Pferdetrabes – tempi passati. Die  unstetige, wechselnde Bewegung im tĂ€glichen Leben, etwa im „stop and go“ des  Autoverkehrs, ist das grundlegende TempogefĂŒhl der modernen Zeit. UnregelmĂ€ssige  Rhythmen in der Musik sind ein Reflex davon. In „hasten und warten“ wird dies als Modell fĂŒr  die Form genommen. RegelmĂ€ssiger Wechsel zwar von go und stop, aber in sehr  unregelmĂ€ssig langen Abschnitten von 1 - 83 Sekunden.
 Violine und Elektronik verlaufen dabei nicht immer parallel, sondern auch gegensĂ€tzlich: die  Violine steht still und die Elektronik gibt Bewegungsimpulse oder umgekehrt. Der  Bewegungskontrast erscheint also nicht bloss im Nacheinander, sondern auch  kontrapunktisch in der Gleichzeitigkeit. Die Elektronik bleibt somit nicht passiv, sondern wird  aktiv, als Höhepunkt mit eigener, perkussiver Klangerzeugung. Im Modell ist „hasten“ laut und  „warten“ leise, aber auch diese Zuordnung verĂ€ndert sich im Verlauf, kehrt dann aber wieder  in die Ausgangssituation zurĂŒck. Und die lĂ€ngsten stop-Teile werden durch Rhythmen  unterbrochen, die einen regelmĂ€ssigen Puls ahnen lassen.

AusfĂŒhrende  Egidius Streiff - Violine, Max E. Keller - Live-Elektronik

 

Reiner Bredemeyer  »Still leben? mit Gitarre«  fĂŒr Gitarre und vier Posaunen

 Reiner Bredemeyer komponierte das StĂŒck 1978 fĂŒr die Ausstellungseröffnung „Suite Vollard“  von Pablo Picasso im Berliner Bodemuseum. Initiiert und ermöglicht wurde die Ausstellung  von den KunstmĂ€zenen Irene und Peter Ludwig (Sammlung Ludwig, Aachen). Picassos „Suite  Vollard“, 1930 - 1937 entstanden und nach dem KunsthĂ€ndler Ambroise Vollard benannt,  ist  eine Serie von 100 Graphiken.
 In einem Interview (1988) Ă€ußerte sich Reiner Bredemeyer zu seiner Komposition:
 â€ž ... Peter Ludwig ... fragte, ob ich vielleicht, wenn er die "Suite Vollard" zur Ausstellung bringt,  wo er selbst dann die Rede hielt, etwas machen könnte. Das fĂŒhrte dann zu "Still leben? mit  Gitarre". ...
 "Stilleben mit Gitarre" scheint ein Dutzendtitel zu sein, vielleicht auch bei Picasso.
 Stilleben hat ja gar nichts mit "still" zu tun. Ich habe das erst einmal dazu gemacht. Es war  wirklich schwierig mit diesem Picasso, mit dieser  Serie.
 Ich hatte sie gesehen in Miniatur, kannte also ein bisschen die Schwarz-Weiß-Werte, die  Stierbilder, die Frau. Das war ja eine Arbeit von Picasso ĂŒber Jahre. Ich wusste ein bisschen  von seiner persönlichen Situation. Ich hatte das Buch "Leben mit Picasso" von der Französin  François Gilot gelesen. Aber ich habe wirklich Monate gebraucht, um eine Idee zu haben.  Zuerst war die Besetzungsidee da mit den vier Posaunen. Ich wollte ein leises Instrument  haben, weil ich noch einmal musikalisch Schwarz-Weiß-Werte ansprechen wollte.
 ... Dann kam ich auf Gitarre, dann kam ich auf Frau - Mann, also vier Posaunisten, wobei es  klar war, dass die vier Posaunen MĂ€nner waren. Dann dachte ich, es wĂ€re ganz schön, wenn  es eine Frau wĂ€re, die die Gitarre spielt. Der Gedanke an eine Frau war bei Gitarre gar nicht  abwegig. Dann kam darauf der Titel, vier Posaunen still? - so dass das Fragezeichen bei dem  Stilleben wirklich eine legitime Fragestellung ist. ..
 Raum spielt eine ziemlich große Rolle in meinen Überlegungen. Dort [ am Ort der  UrauffĂŒhrung] gab es die vier TĂŒren, vier Möglichkeiten der Posaunenauftritte. Da ist das  Fragezeichen sozusagen mit entstanden. Es beantwortet sich dann durch die LautstĂ€rke der  unerwartet, erst mal akustisch erscheinenden und dann live kommenden Herren gegen die  Frau. Das war ein bisschen die Umkehrung der Geschichten, die dem Zyklus zugrunde liegen,  also die private Situation Picassos, der damals von Frauen heftigst hin und her gerissen war.
 ... Ich meine, ich habe ein höfliches StĂŒck geschrieben, weil die Herren ja dann doch die  DĂ€mpfer aufsetzen und höflich leise werden der Frau und der Gitarre gegenĂŒber. ...

AusfĂŒhrende  Mats Scheidegger - Gitarre,  Ensemble TromboNova Leipzig (Hendrik Reichardt, Burkhard Götze, Hans-Martin Schlegel, AndrĂ© Stemmler), szenische Einrichtung - Bert Bredemeyer

 

anschließend lĂ€dt   Frau Katharina Dalcher  vom  Kulturreferat der Schweizer Botschaft Berlin zu einem Apero  anlĂ€sslich des Schweizer Abends bei den XVII. Randspielen

 

 

21 Uhr  migration 2…
Gemeindehaus

Dragomir Yossifov  »Pirouette II«  fĂŒr Klarinette und Tonband (1995)

 Der Komponist möchte sein Werk nicht kommentieren.

AusfĂŒhrende  Matthias Badczong - Klarinette

 

Friedrich Goldmann  »SISYPHUS ZU ZWEIT«  fĂŒr Violine und Violoncello (2008)  UA

 "Die Sage von Sisyphus kennt jeder. Um das StĂŒck zu verstehen braucht man nur der  Dramaturgie zu folgen, die der Komponist vorgibt."                               (Friedrich Goldmann 2009)

die Sisyphosgeschichte:
 Sisyphos wird als der verschlagenste aller Menschen bezeichnet; er verriet die PlĂ€ne des  Gottes Zeus, indem er dem Flussgott Asopos mitteilte, dass es Zeus sei, der seine Tochter  Ägina entfĂŒhrt habe. Zeus beschloss daraufhin, Sisyphos zu bestrafen und schickte Thanatos,  den Tod, zu ihm. Aber Sisyphos ĂŒberwĂ€ltigte diesen, indem er Thanatos so starke Fesseln  anlegte, dass des Todes Macht gebrochen war und niemand mehr starb. Erst als der  Kriegsgott Ares den Tod aus der Gewalt von Sisyphos befreite (da es ihm keinen Spaß  machte, dass seine Gegner auf dem Schlachtfeld nicht mehr starben), konnte Thanatos  wieder seines Amtes walten.
Sisyphos aber wurde vom Kriegsgott ins Schattenreich entfĂŒhrt. Doch bevor Ares das tat,  verbot Sisyphos seiner Frau, ihm ein Todesopfer darzubringen. Als keine Opfer fĂŒr ihn  dargebracht wurden, ĂŒberredete er den Gott der Unterwelt,  Hades, dass er schnell in die  Menschenwelt zurĂŒckkehren wolle, um seiner Frau zu befehlen, fĂŒr ihn ein Todesopfer zu  halten. Wieder zu Hause, genoss der Listige das Leben an der Seite seiner Frau und spottete  ĂŒber den Gott der Unterwelt. Doch plötzlich tauchte Thanatos vor ihm auf und brachte ihn mit  Gewalt ins Totenreich.
 Sisyphos' Strafe in der Unterwelt bestand darin, einen Felsblock einen steilen Hang  hinaufzurollen. Kurz bevor er das Ende des Hangs erreichte, entglitt ihm der Stein, und er  musste wieder von vorne anfangen.       
(aus Wikipedia)

AusfĂŒhrende  DuoKaya   Biliana Voutchkova - Violine, Agnieszka Dziubak - Violoncello

 

Artin Potourlian  »Bekenntnisse«  fĂŒr Klavier solo

 Der Raum der Erinnerungen wird mit der Zeit immer unermesslicher und existiert auf einer  wundersamen Weise gleichzeitig in all seinen unĂŒbersehbaren Punkten. Wir sind imstande,  ihn auseinanderzuziehen oder zusammenzupressen, uns an jedem erlebten Augenblick zu  ergötzen oder davon in Ekel abzuwenden, mit dem unumkehrbaren Zeiger der Zeit zu spielen,  und durch die geisterhaften GĂ€rten unseres Lebens spazieren zu gehen.
 Im KlavierstĂŒck Bekenntnisse  streife ich hin und her durch ein Zeitfeld (vielleicht besser  Erinnerungsfeld oder -garten) aus verschiedenen Tempi, die mittels spezifischer  metrorhythmischer- und Tempomodulationen auseinandergezogen oder zusammengedrĂŒckt  werden.
 WĂŒrde man an die Prosaweise von Marcel Proust denken, könnte man auch die Struktur von  "Bekenntnisse" und meine kompositorischen Absichten besser begreifen.
 Das StĂŒck wurde fĂŒr meine Frau Anahid Akopian geschrieben, die im Februar 1986 die  UrauffĂŒhrung in Sofia machte und seitdem das Werk auch in Jerewan und Salzburg spielte.

AusfĂŒhrende  Adrian Pavlov - Klavier

 

Erik Janson  »Tanz der Rhizome III... utopic Bad Blogs« fĂŒr Klarinette, Horn und Schlagzeug (2009) UA

 entstand als spontane Komposition im Rahmen meines geplanten Zyklus von Werken mit  (Ober)titeln "Tanz der Rhozome", in denen ich in freien Bezug auf Deleuze/Guattaris Konzept  des Rhizoms nehme. Rhizome sind vergleichbar mit - in der Botanik z.B. -  Ingwerknollen bzw.  mit GewĂ€chsen ohne eine Struktur, in der von einem gemeinsamen Stamm alle anderen Äste  abzweigen. In der Soziologie oder Kommunikationstheorie ist das Rhizom Vorbild fĂŒr nicht  hierarchische Beziehungen, das Zulassen von  Nebenwegen, das Querdenken, das Aufgeben  alter Denkmuster und Hierarchien etc. In konkret diesem Werk verarbeite ich teilweise meine  neulich gemachten Erfahrungen, dass nicht-hierarchische, herrschaftsfreie und nicht  manipulative Kommunikation in Internet Blogs (wie dem sogenannten "Bad Blog auf Music"  der nmz, aus dem ich nach diesen Negativ-Erfahrungen wieder ausstieg) eine unnerreichbare  Utopie bleiben. So beginnt das Werk recht dynamisch, die Stimmen, die in sich unabhĂ€ngig  sind und nicht aus einem gemeinsamen "Material" schöpfen, treffen sich, kommunizieren, es  ergeben sich plötzliche Bezugspunkte, verzahnen sich teilweise Hoquetus-artig ineinander.  Jedoch steht am Ende wieder eher ein Sich-Voneinander-Entfernen.

AusfĂŒhrende  Matthias Badczong - Klarinette, Noam Yogev - Horn,
                     Friedemann Werzlau - Schlagzeug

 

Peter Köszeghy  »STIGMA«  fĂŒr E-Violine (2009)

 Stigma bedeutet Stich, Punkt, Wund- oder Brandmal. Der Begriff "Stigma" steht in der  Soziologie und Psychologie fĂŒr ein AuffĂ€lligkeitsmerkmal als Ausdruck der Abwertung  Einzelner oder von Gruppen, die Ursache und Folge sozialer RandstĂ€ndigkeit sein kann.
 Ich betrachte mich selbst als KĂŒnstler zu einer Randgruppe gehörend, der sich die Freiheit  nimmt, ohne irgendeine festgeschriebene Regel mein kĂŒnstlerisches Leben leben zu können.  Das schlĂ€gt sich auch auf meine MusikstĂŒcke, Schriften und Bilder nieder: im Falle von  Stigma - das eigentlich eine Art kleines "Violin-Concertino" fĂŒr E-Violine sein könnte - betrifft  es das musikalische Material. Ich habe mit Absicht solches Material gewĂ€hlt, das in z.B. der  Neuen Musik gebrandmarkt ist: Beats, teilweise "beinahe" tonaler Klangmaterial,  Wiederholungen usw. Dies ist auch eine Art Provokation gegen die festgefahrene und sich  nicht öffnen wollende, kĂŒnstlich sich am Leben halten wollende, neurotische "Neue Musik".

AusfĂŒhrende  Susanne Zapf - E-Violine

 

22 Uhr  fern und nah…
Gemeindehaus

Improvisation - Musik fĂŒr Baglama, Violine und Klavier
Taner Akyol
- Baglama, Dietrich Petzold - Violine, Antonis Anissegos - Klavier

 

top 6 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag, 12.Juli

 

10:30 Uhr  Randspiele Gottesdienst - Genesis 
Predigt:  Norbert Gebert

Akademski pevski zbor Tone Tomơič Chor Ljubljana (SLO)
Kurt König - Percussion / Performance

 

 

12 Uhr  Karussel …
Kirche

PortrÀtkonzert der jungen slowenischen Komponistin Nana Forte

folgende Werke von Nana Forte kommen zur AuffĂŒhrung:

Libera me (2003) fĂŒr zwei gem. Chöre
   
APZ Tone Tomơič, Leitung: Urơa Lah

lovljenju besed med izĆĄtevanjem tiĆĄine /
im fangen von Wörtern wÀhrend des AuszÀhlens der Stille
(2009)
fĂŒr Sopran und Flöte
    Teja Saksida – Sopran, Lena Sperrfechter - Flöte

Večer / der Abend (2001) fĂŒr Frauenchor
   APZ Tone TomĆĄič

o smrti sonet / mein Sonett mit dem Tod (2008)
fĂŒr BlĂ€serquintett und Schlagzeug

Godec pred peklom / der Musikant vor der Hölle
fĂŒr drei gem. Chöre und Schlagzeug
   APZ Tone TomĆĄič

Vsaksebi – vsevprek / Auseinander – durcheinander (2006) fĂŒr Flöte und Violine
    Marko Zupan – Flöte, Biliana Voutchkova - Violine

 IzĆĄtevanka / der AuszĂ€hlreim (2006) fĂŒr zwei gem. Chöre
    APZ Tone TomĆĄič

 

Nana Forte wurde 1981 in Slowenien geboren. Ihre ersten Kompositionsversuche machte sie im Alter von 15 Jahren. Am Ende ihrer Schulzeit an dem Musikgymnasium Ljubljana (1999) wurde sie fĂŒr ihre erste Kompositionen mit dem “Ć kerjanec-Preis“ des Musikgymnasiums ausgezeichnet. Im Jahr 2005 absolvierte sie Komposition an der Akademie fĂŒr Musik in Ljubljana unter der Leitung von Prof. Marko Mihevc. Im Jahr 2007 schloss sie ein Aufbaustudium an der Hochschule fĂŒr Musik “Carl Maria von Weber“ in Dresden bei Prof. Lothar VoigtlĂ€nder und im Jahr 2009 ein Meisterstudium in der Klasse von Prof. Walter Zimmermann an der UniversitĂ€t der KĂŒnste in Berlin ab.

Ihr bisheriges Opus umfasst Solowerke, Kammermusik und Kompositionen fĂŒr Chor sowie Orchesterwerke. WĂ€hrend ihrer gesamten Studienzeit leistete sie hervorragende Studienergebnisse und öffentliche Erfolge. Ihre Kompositionen wurden insgesamt ĂŒber 80 Mal in Europa (Slowenien, Bulgarien, Österreich, Italien, Kroatien, Ungarn, Finnland, Großbritannien, Spanien, Belgien), USA und Korea aufgefĂŒhrt. Unter anderem waren sie im Rahmen des Festivals “Weimarer FrĂŒhjahrstage 2007”, der “Rheinsberger Pfingstwerkstatt Neue Musik 2006“, des Festivals „Randspiele 2005, 2006” in Zepernick, der „Zagreb Musikbiennale 2007“ in Kroatien, des Festivals der European Broadcasting Union (EBU) »Let the people sing« in London (2001, 2005) , des Berliner Festivals „Young Euro Classic 2007“, des Festivals fĂŒr Neue Musik  “Unicum 2006“ in Slowenien und bei der “17th International Review of Composers 2008“ in Belgrad (Serbien) zu hören.

Nana Forte ist eine der wenigen jungen slowenischen Komponistinnen, die sich wĂ€hrend ihrer gesamten Studienzeit sehr intensiv mit der Chormusik beschĂ€ftigten. In der Zusammenarbeit mit verschiedenen Dirigenten und Chören entstanden viele Auftragskompositionen, die in den wichtigsten internationalen Chorwettbewerben zu hören waren. 
Nana Forte ist PreistrÀgerin nationaler und internationaler Kompositionswettbewerbe.
Zum Anlass der deutschen EU-RatsprĂ€sidentschaft im ersten Halbjahr 2007 bekam sie als slowenische Vertreterin beim Projekt „EuropĂ€ische Ensemble-Akademie“ vom Deutschen Musikrat einen Kompositionsauftrag. In diesem Zusammenhang wurde ihr StĂŒck Pritrkavanje fĂŒr Ensemble mehrmals (Dortmund, Bremen, Ljubljana, Rom, BrĂŒssel) aufgefĂŒhrt.
Im Jahr 2007 erhielt sie einen Auftrag des Berliner Festivals „Young Euro Classic“. Das Werk Genesis fĂŒr Klarinette, Accordeon und Orchester wurde im August 2007 vom Orchester der Musikakademie Ljubljana unter der Leitung von George Pehlivanian im Berliner Konzerthaus uraufgefĂŒhrt.
Im Jahr 2008 erhielt sie einen Auftrag des bekannten slowenischen BlĂ€serquintetts Slowind. Das StĂŒck mein Sonett mit dem Tod fĂŒr BlĂ€serquintett und Schlagzeug  wurde im November 2008 auf dem „Festival Slowind“ in der Slowenischen Philharmonie uraufgefĂŒhrt und war als Vertreter des Slowenischen Rundfunks im Rahmen des Festivals »International Rostrum of Composers 2009« (organisiert vom »International Music Council«) im Juni 2009 in Paris zu hören. Zur Zeit lebt und arbeitet Nana Forte zwischen Berlin und Ljubljana.

 

Akademski pevski zbor Tone TomĆĄič Chor Ljubljana / APZ Tone TomĆĄič vereinigt Studenten der UniversitĂ€t Ljubljana, denen die Liebe zum Singen und der andauernde Wunsch nach höchsten kĂŒnstlerischen Leistungen gemeinsam ist. Der Chor fĂŒhrt die Tradition des Akademischen Chors der UniversitĂ€t Ljubljana fort, der im Jahr 1926 von France Marolt gegrĂŒndet wurde, und anfangs nur mĂ€nnlich besetzt war. Nach dem Schweigen der Kultur wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs begann der Chor 1946 wieder zu arbeiten, doch diesmal in gemischter Besetzung unter dem Namen APZ Tone TomĆĄič. Der Chor wurde immer von angesehenen Chorleitern gefĂŒhrt: France Marolt, Radovan Gobec, Janez Bole, Lojze Lebič, Igor Lavrič, Marko Munih, JoĆŸe FĂŒrst, Jernej Habjanič und Stojan Kuret. Seit Beginn des Studienjahres 2002/2003 leitet ihn die Chorleiterin UrĆĄa Lah.
APZ Tone TomĆĄič war schon seit seiner GrĂŒndung wegweisend fĂŒr das slowenische Chorsingen, nicht nur, was seine vortragstechnische Seite betrifft, sondern auch in seiner Programm- orientiertheit. Das Chorrepertoire bilden StĂŒcke aller musikhistorischen Stil- epochen, besondere Aufmerksamkeit wendet der Chor aber der zeitgenössischen Chorliteratur zu. APZ fördert mit AuftrĂ€gen und Ausschreibungen die Komposition neuer StĂŒcke sowohl junger als auch schon durchgesetzter slowenischer Komponisten. Mit diesen UrauffĂŒhrungen vergrĂ¶ĂŸert er die Anerkennung der schöpferischen slowenischen Chorarbeit in der Heimat, wie auch weltweit.
Die grĂ¶ĂŸten internationalen Erfolge des APZ Tone TomĆĄič sind Siege bei den Chorwettbewerben C.A. Seghizzi: 1963, 1965, 1967, 1980 und des Grand Prix (Tours: 1980, 1984 und 1999; Seghizzi: 2001; Varna: 2001, 2007) und die 1. Preise beim Grand Prix Europe 2002 (Arezzo) und 2008 (Debrecen).
Seitdem der Chor von UrĆĄa Lah geleitet wird, hat er folgende Erfolge zu verzeichnen:
- erster Platz bei dem Internationalen Musikfestival in Tampere/Finnland (2003)
- zwei erste Preise bei dem Festival International de Musica de Cantonigros, Spanien (2004)
- erster Preis auf dem 19. Chorwettbewerb der slowenischen Chöre NaĆĄa pesem in Maribor (2005) und die "Auszeichnung fĂŒr die beste AuffĂŒhrung des von 19. Jahrhundert bis heute geschriebenen StĂŒckes" fĂŒr die AuffĂŒhrung des StĂŒckes Libera me junger slowenischen Komponistin Nana Forte.
- erster Preis auf dem Internationalen Chorwettbewerb C. A. Seghizzi in italienischem Görz / Gorizia (Italien), 2005
- Finale des Chorwettbewerbs der EuropÀischen Rundfunknetz EBU "Let the Peoples Sing 2005" in Köln
- erster Preis und der Grand Prix beim Internationalen Chorwettbewerb
in Varna (2007)
- erster Preis in der Kategorie Musica policorale, Grand Prix Basilica di Aquileia und zwei zweite Preise in den Kategorien Polifonia/programma storico and Polifonia/programma monografico beim Internationalen Chorwettbewerb C.A. Seghizzi in Görz/Gorizia (Italien), 2007- Grand Prix of Europe 2008 in Debrecen (Ungarn)
FĂŒr seine Leistungen und Verdienste als „musikalische Botschafter“ Sloweniens wurde APZ Tone TomĆĄič die höchste staatliche Auszeichnung, das „goldene Ehrenzeichen der Freiheit“ der Republik Slowenien verliehen.
www.apz-tt.si/page.php?65

 

Dieses PortrÀtkonzert wurde durch folgende Sponsoren ermöglicht.

Kultur ministerium 290

Flagge Slowenien 290

Ministrstvo za kulturo Republike Slovenije
Slowenisches Kulturministerium

 

VeleposlaniĆĄtvo Republike Slovenije
Botschaft der Republik Slowenien

Inotherm 290

Studio Moderna ndr 290

Inotherm d.o.o./Si

 

Studio Moderna/Si

int-gls.ANG-eps(temno_zelena) 290

Telekom

Intereuropa d.d./Si

Telekom Slowenien

 

Post Slowenien_290

Postbank Slowenien_290

Slowenische Post

 

Postbank Slowenien

IMOS 290

 

Imos d.d./Si

 

 

Regionalni centar za razvoj Zasavje
Regional development center Zasavje/Si

 

Gemeinde Zagorje ob Savi/Si

 

 

 

top 6 

14 Uhr - 19 Uhr
Fahrradverleih und Auto-Mitfahrgelegenheit an der Kirche

music on tour - soundtour IV 

13:29 Uhr  Introitus von der S-Bahn bis zur Kirche mit der Gruppe Rummtskbaa

14:00 Uhr  flucht… Gemeindehaus Zepernick

Andreas Staffel  »Her fork strikes Asor in the dawn at the river« fĂŒr Bassklarinette, Altsaxophon, Akkordeon, Klavier und Kontrabass (2005/2009) UA 

 Aus einer einfachen rhythmischen Reihe, bilden sich im Verlauf der Komposition immer  komplexere Gestalten heraus. Besondere Klangfarben wie die BogenschlĂ€ge auf dem  Kontrabaß, SchlĂ€ge auf den Korpus der Instrumente, stechende Akzente in extremen Lagen,  Glissandi des gesamten Ensembles, sowie die virtuosen LĂ€ufe des Akkordeons (Bandoneon)  sind eine Hommage an den Komponisten Astor Piazolla und sein Ensemble. Die gebieterische  Geste des Tango Nuevo verbindet sich mit den Mitteln der zeitgenössischen Musik zu einer  eigenen Sprache.
 Immer wiederkehrende Akzente und Verschiebungen des Akkordeons werden von den  anderen Spielern aufgegriffen und spiralenförmig „bis zur Besessenheit“ (Allegro Ossesionato)  weitergefĂŒhrt. Das instrumentale Rollenspiel entsteht aus einem ursprĂŒnglichen VerstĂ€ndnis  von Musik: Ein Spieler gibt das Signal, ein anderer reagiert, der nĂ€chste drĂ€ngt spielend in  den Vordergrund. Aus einem einfachen Grundmotiv entwickeln sich so immer neue  Farbschichten. Das melodisch-harmonische Material ist geprĂ€gt von den vierteltönig herunter  gestimmten Basssaiten A-D-ES-AS in Klavier und Kontrabass (einem Anagramm der  brasilianischen Filmregisseurin Linda Carlsen, der dieses StĂŒck auch gewidmet ist). Hieraus  leiten sich auch die ĂŒbrigen Motive und Harmonien ab, die durch Melodiefetzen aus Jaques  Preverts "Les Feuillets Mortes“ ergĂ€nzt werden. Das Ende erscheint wie eine Umkehrung des  Einleitungsteils: die KlĂ€nge werden vereinzelt und verebben („mit den Signalen der Schiffe“) in  der Ferne.

AusfĂŒhrende  Matthias Badczong - Klarinette, Meriel Price - Saxophon, Christine PatĂ© - Akkordeon  
                    Adrian Pavlov - Klavier, Mathias Bauer - Kontrabass

 

Kaspar Querfurth  »3 Fanfaren«  fĂŒr 2 Trompeten (2009) UA

 Laut wiktionary, dem Wörterbuch der Wikipedia, entstand der Begriff "Fanfare" aus dem  arabischen Wort "farfar" ("geschwĂ€tzig"), das ĂŒber das spanische Wort "fanfarrĂłn" ("Angeber,  Aufschneider") zu dem französischen Wort "farfarer" (Trompete spielen) wurde. Diese drei  Stationen, ob sie nun stimmen, oder nicht, habe ich mir zum Ausgangspunkt fĂŒr meine drei  Miniaturen fĂŒr zwei Trompeten genommen.

AusfĂŒhrende  Nathan Plante und Nenad Markovic

 

Susanne Stelzenbach  »confluenza«  fĂŒr Flöte, Bassklarinette, Fagott und Klavier

 ist der Versuch in einer musikalischen Miniatur  vier unterschiedliche Stimmen, Klangfarben  und Temperamente zusammenzufĂŒhren, sie in Gang zu setzen zu einer gemeinsamen  Energie und Empfindsamkeit,  ohne dass die IndividualitĂ€t dabei verloren geht.

AusfĂŒhrende  Martin GlĂŒck - Flöte, Matthias Badczong - Klarinette, Heidi Mockert - Fagott,
                    Adrian Pavlov - Klavier

 

14.45 Uhr gefahr … Kirche Schönow

Johannes K. Hildebrandt  »4 aphorismen«  fĂŒr Gitarre solo

 Der Komponist möchte sein Werk nicht kommentieren.

AusfĂŒhrende  Mats Scheidegger - Gitarre

 

Arne Sander  »ETYM II«  fĂŒr Klarinette und Akkordeon

 Das StĂŒck basiert auf denselben Grundlagen wie das 2007 entstandene ETYM fĂŒr  Bassklarinette solo; das war es, was mich interessierte: aus einem "Genotyp" zwei  "phĂ€notypisch" völlig unterschiedliche StĂŒcke zu schaffen. Den Anstoß gab folgender  Textausschnitt aus Arno Schmidts "Zettels Traum":

 <Was Worte sind, wißt ihr - ?>;/(sie nickten schnell:!)/(GlĂŒckliches Völkchen; mir wars nicht  ganz klar,))..>Also das bw spricht Hoch=Worte. Nun wißt ihr aber, aus FREUDs  Traumdeutung, wie das ubw ein eigenes Schalks-Esperanto lallt; indem es einerseits  Bildersymbolik, andrerseits Wort-Verwandtheiten ausnĂŒtzt, um mehrere Bedeutungen  gleichzeitig wiederzugeben. Ich möchte nun diese neuen, wortĂ€hnlichen Gebilde ETYMS  heißen: der obere Teil des Unbewußten: spricht ETYMS.

AusfĂŒhrende  Matthias Badczong - Klarinette, Christine PatĂ© - Akkordeon

 

Georg Katzer  »Kette«  fĂŒr Viola sola

 Es gibt dieses Sprachspiel: Jemand geht jemanden holen, sie kommen aber beide nicht  zurĂŒck, ein dritter wird hinterhergeschickt, auch jetzt kommt man nicht, ein vierter.... Der Satz  wird lĂ€nger und lĂ€nger. In Ă€hnlicher Weise wĂ€chst und verlĂ€ngert sich "Kette" aus zwei kleinen  Zellen, wird ebenfalls immer lĂ€nger bis die Kette unter ihrem eigenen Gewicht endlich reißt  und Raum gibt fĂŒr eine andere, freiere Entwicklung. Im Jahre 1988 nach der UrauffĂŒhrung bin  ich gefragt worden, ob ich diese Deutung etwa politisch meine. Ich war nicht mutig genug, es  zu bejahen.

AusfĂŒhrende  Mariana Doughty - Viola

 

15.30 Uhr  stillstand…  Schönow bei Familie Pilz

Edu Haubensak »Schwarz-Weiss« zwei zusammenhĂ€ngende KlavierstĂŒcke (1979)

 Die erste Klavierkomposition von Edu Haubensak,noch in herkömmlicher Stimmung und noch  ganz in Geist der minimal music.Der Pianist macht zweimal fast dieselbe Aktion,aber das  Resultat könnte verschiedener nicht sein.

AusfĂŒhrende  Tomas BĂ€chli

 

Rainer Rubbert  »Extraits – II. Elegie«  fĂŒr Horn solo (2008)

 Der Komponist möchte sein Werk nicht kommentieren.

AusfĂŒhrende  Noam Yogev - Horn

 

Gerald Bennett  »Ringing Surprise«  fĂŒr Klavier

 Der Komponist möchte sein Werk nicht kommentieren.

AusfĂŒhrende  Tomas BĂ€chli - Klavier

 

16:15 Uhr  aufbruch…  Zepernick bei BĂŒrgermeisterin Britta Stark

Hermann Keller  »Ein Hauch von Blues - 2 Soli fĂŒr Fagott« 

 Der Komponist möchte sein Werk nicht kommentieren.
 Die StĂŒcke erscheinen in einem Heft fĂŒr Fagottisten von Dieter HĂ€hnchen

AusfĂŒhrende  Heidi Mockert - Fagott

 

Helmut Zapf  »November«  fĂŒr Violine und Viola (2009) DE

...
wo sind wir denn jetzt sag wer
ersÀufte was wir sangen
das holz ist sauer
ausgelaugt und klanglos
...
ein toter lÀrm
...
auf haltbaren brĂŒcken
o welch november
zwischen den rosen des sommers
...

(aus "stimme stimme" von w.hilbig - auszug mit freundlicher genehmigung des autors)

AusfĂŒhrende  Egidius Streiff - Violine, Mariana Doughty - Viola

 

 

17.00 Uhr  und nun…  Kirche Zepernick

GermĂĄn Toro-PĂ©rez  »Rulfo - voces III: VacĂ­o el cielo azul«  fĂŒr Viola sola

 Ist Teil eines Zyklus von fĂŒnf StĂŒcken fĂŒr Streichtrio und Elektronik. Die ideelle Grundlage ist  das Werk des mexikanischen Schriftstellers Juan Rulfo (1917-1986). Sein Gesamtwerk (ein  Roman und 17 ErzĂ€hlungen) skizziert eine durch Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit geprĂ€gte  Welt mit der mexikanischen Revolution als historischem Hintergrund. Seine Sprache, rau und  ungeschminkt, ist Sprache des Mythischen, des Ureigenen, Sprache der Erinnerung.
 Mehr als Personen zu interpretieren oder Handlungen nachzuerzĂ€hlen geht es bei dieser  Arbeit darum, die Logik der Sprache von Rulfo als Ausgangspunkt fĂŒr musikalische Formen zu  nehmen. Der Klang der reifen Stimme Rulfos (sie wurde in Aufnahmen von Lesungen aus  eigenen Werken festgehalten) mit seiner typisch mexikanischen Sprachmelodie bildete einen  stĂ€ndigen Referenzpunkt, das laute Vorlesen der Texte wurde zum wiederkehrenden Ritual.
 Aus musikalischer Sicht könnte diese Arbeit als Studie ĂŒber Möglichkeiten der melodischen  Gestaltung bezeichnet werden. Bei „Rulfo/voces“ geht es um die Idee des Monologs und des  Fragmentes. Monodie und Heterophonie bilden daher die Grundlage, andere Fakturen wie  Polyphonie und Homophonie sind deshalb irrelevant. Die Syntax ist durch Fragmentierung  geprĂ€gt. Die Pause gewinnt somit an Bedeutung, als Stille, als Moment der Reflexion.
 GrĂ¶ĂŸere formale ZusammenhĂ€nge werden durch rĂ€umliche Relationen und Prozesse, die  speziell im Roman „Pedro PĂĄramo“ motivisch wirken, gesteuert, insbesondere das  Herabsteigen und das VerhĂ€ltnis oben/unten, das im Roman im Sinne von Gegenwart und  Erinnerung, Vernunft und Wahnsinn, Tugend und SĂŒnde oder Leben und Tod erscheint.  Herabsteigen/Hinaufsteigen heißt dann eine Schwelle zu ĂŒberschreiten aber auch einem  Endpunkt entgegen zu laufen. Dieser Punkt, gleichsam Stand- und Fluchtpunkt ist bei Rulfo  stets der Tod.

AusfĂŒhrende  Mariana Doughty - Viola

 

Martin Daske » Zu: Backbord ein Kolibri«  fĂŒr Klarinette, Kontrabass und Zuspiel (1996)

 13. Etappe. Gestern, am vorletzten Tag dieser Reise, vier Jahre nach der Wende, kreuzten  wir einen Frachter mit DDR-Flagge. Heute, am 3. Oktober, regnet es noch nicht. Es ist kĂŒhl.  Wir liegen vor der letzten Schleuse. Kurz vor der letzten Schleuse setzte der Regen wieder  ein. Der böige Wind trieb uns ab. Wir verloren den ersten Matrosen. Einen Rettungsring auch.  Noch eineinhalb Kilometer. Die ganze Mannschaft ist an Deck. Voll freudiger Erwartung  werden schon die Taue bereitgehalten. Der Tag bricht an. Paris. Kurz vor Tagesanbruch.  GegenĂŒber der schweigenden Fabrik. Alle fröstelten. Um fĂŒnf Uhr hatte es noch geregnet.  Einundzwanzigster September. Wir ließen langsam zerfallende und sehr sehr graue  FabrikgebĂ€ude an Backbord zurĂŒck und der heftig einsetzende Regen peitschte von vorne.  Westwind. Backbord sollte nicht lange im SĂŒden bleiben und am rechten Flußufer standen  immer noch Fabriken. StromaufwĂ€rts, selbst auf KanĂ€len. An Steuerbord dann Wald. Wo der  Motor dröhnt, ist hinten. Immer. Es gab keinen RĂŒckspiegel. Und vorne? Vorne ist gerade  Norden, da gibt es BrĂŒcken. BrĂŒcken und Schleusen. Und Tunnel. Und Schleusen. Und  irgendwo dahinten wollen wir hin.

AusfĂŒhrende  Matthias Badczong - Klarinette, Matthias Bauer - Kontrabass

 

Thomas Gerwin  »Spuren«  fĂŒr Orgel und live-elektroakustisches Zuspiel

 Dieses StĂŒck ist graphisch notiert. Die Spielerin fĂ€hrt auf der Partitur wie auf einer Landkarte  hin und her, flaniert, folgt verschiedenen Spuren. Die Notate weisen eine große Bandbreite  auf: von genau mit Dauern und Tonhöhen fixierten ĂŒber graphische Darstellungen tonal  klingender bzw. gerĂ€uschhafter Prozesse bis hin zu verbalen Anweisungen oder reinen  Symbolen zur Erzeugung einer bestimmten Stimmung. Diese disparaten Ereignisse werden  zusammengebunden durch eine sehr sanfte durchgehende Schicht, die fragmentierte und  granularsynthetisierte Orgel-Aufnahmen eines Ă€lteren Projektes in der Frauenkirche in  Esslingen nutzt und verfremdet. Diese Schicht geht teilweise vollstĂ€ndig gegen die ad hoc  gespielten Klangkonglomerate, verschmilzt an anderen Stellen aber auch gĂ€nzlich damit. Ein  Spiel mit NĂ€he und Distanz, Konkretion und Abstraktion.

AusfĂŒhrende  Josefine Horn - Orgel, Thomas Gerwin - Elektronik

 

Orm Finnendahl  »FĂ€lschung«  fĂŒr Streichquartett

 Verfolgte Orm Finnendahl mit seinem neuen Streichquartett tatsĂ€chlich TĂ€uschungsabsichten,  er hĂ€tte es nicht "FĂ€lschung" nennen dĂŒrfen. So aber ist evident, dass hier nicht gefĂ€lscht,  sondern das FĂ€lschen vorgefĂŒhrt wird. Die AuthentizitĂ€t von Volksmusik, die bereits in der  Volksliedbewegung zu Brahms Zeiten durch kunstvolle FĂ€lschungen sich als nur vermeintliche  entblĂ¶ĂŸte, erfĂ€hrt hier eine spielerische Brechung. Finnendahl fĂŒhrt sie als Fiktion des  Betrachters vor, der unweigerlich die fremde Kulturleistung vor den Hintergrund des jeweils  eigenen Erfahrungshorizontes rezipiert.
 Hatte der Komponist bislang in rekursiven Strukturen zumeist eigenes musikalisches Material  mathematischen Aneignungsprozessen unterworfen, so weitet sich hier sein Blick auf  exterritoriales Gebiet. Die Musik osteuropĂ€ischer BlechblĂ€serkapellen, in der sich EinflĂŒsse  tĂŒrkischer MilitĂ€rmusik ebenso wie der traditionellen Musik der Sinti und Roma wiederfinden,  diente ihm als Stoff fĂŒr eine hybride Komposition, die die Symbol-Besetzung europĂ€ischer  Kunstmusik, das Streichquartett, mit Live-Elektronik und Zuspielungen von Ghetto-Blastern  verbindet. Dass dieser ausagierte Clash of Civilizations schließlich in der provokanten  Erfahrung mĂŒndet, dass sich eine extrem beschleunigte Chopin Nocturne (op.48, Nr.1, c-moll)  dem Klangbild einer Galopp-Polka annĂ€hert, zeugt von dem distanzierten VerhĂ€ltnis  Finnendahls zur kulturellen Amalgamation. Nicht von AnnĂ€herung ist hier die Rede - der  Komponist spricht ausdrĂŒcklich von "BemĂ€chtigung" und von der "Barbarei" ignoranten  Missverstehens in der Geschichte des abendlĂ€ndischen Musikdenkens.
 "FĂ€lschung" bedient sich nun dieser Verfahren und fĂŒhrt sie bereitwillig vor. Wörtliche Zitate  aus einem StĂŒck des bulgarischen VolkssĂ€ngers Georgi Germanov erklingen zunĂ€chst im  Wechsel als Transkription fĂŒr Streichquartett und als elektronische Zuspielung, bis sie der  Komponist in live-elektronischer Gestaltung immer weiter verdichtet. Was zunĂ€chst als krude  Minimal-Music erscheinen mochte, gerĂ€t bald zur Transformation von musikalischem Satz zu  pulsierendem Klang. Mit einem harten Schnitt bricht diese Bewegung ab und zurĂŒck bleibt das  rhythmische Skelett der Vorlage von Georgi Germanov mit ihren 7-, 9- oder 17-hebigen  Takten. Das Streichquartett etabliert in Hoquetus-Technik einen perkussiven  Summenrhythmus verschiedener Spieltechniken. Dieser ist Grundlage fĂŒr eine  improvisatorische Phase, an deren Ende die vier Instrumentalisten zu ihren Ghetto-Blastern  greifen und elektronisch verĂ€nderte Lieder der rumĂ€nischen VolkssĂ€ngerin Sofia abspielen.  Dieses Material wird klanglich zunehmend aufgelöst und von immer lĂ€ngeren Pausen  durchsetzt, bleibt aber noch wĂ€hrend des vierten Teils prĂ€sent, in dem das Quartett mit feinen,  hohen und verrauschten KlĂ€ngen dem Geschehenen nachzulauschen scheint. So fĂŒhrt die  beschleunigte Aufnahme des Chopin-Nocturnes als Coda wieder zum bewegteren Beginn  zurĂŒck - was FĂ€lschung, Wahrheit oder Authentisches ist bleibt dem Kontext seines  Erscheinens anheim gestellt.                                                 Volker Straebel im Programmheft zur MaerzMusik 2003

AusfĂŒhrende  Sonar-Streichquartett Susanne Zapf - Violine,  Kirsten Harms - Violine
                                                    Nikolaus Schlierf - Viola,  Cosima Gerhard - Violoncello
 

 

Zwischen den Stationen ist Matthias Bauer (Kontrabass, Stimme)
mit seiner Performance  "hört ihr Leute lasst euch sagen…" zu hören und zu sehen.

 

 

19 Uhr  heute…

Gemeindehaus

Sebastian Stier  »Innehalten«  Miniatur fĂŒr Klarinette, Viola und Klavier (1996/2008)

 Der Komponist möchte sein Werk nicht kommentieren.

AusfĂŒhrende  Karen Lorenz - Viola; Christian Vogel - Klarinette; Ernst Surberg - Klavier

 

Sergej Newski  »Figuren im Gras«  fĂŒr Flöte, Oboe, Klarinette, Saxophon, Viola, Violoncello und Klavier

 Zwei Themen waren entscheidend fĂŒr die Materialauswahl bei dieser Arbeit: Instrumentalklang  als eine Projektion der Bewegung des Spielers und die Entstehung der Form aus der  Überlagerung von elementaren musikalischen Ereignisse.
 Das Körperliche wird durch eine extreme Differenzierung der Spielarten zur Ausdruck  gebracht, das Abstrakte - durch eine bewusste Reduktion des Materials (chromatische  Tonleiter, harmonische Spektren oder Tonwiederholungen) die uns ihrerseits ermöglicht, die  parallel laufenden musikalischen Entwicklungen gleichzeitig zu verfolgen.
 Langsame KlangfarbenverĂ€nderungen und Glissandi bestimmen den Charakter des Anfangs-  und des Schlussteils. Ein Ton kommt aus Nichts, wĂ€chst, bricht ab und verschwindet - wie bei  manchen Arbeiten von Francis Bacon (dem ich auch den Titel entliehen habe) sich die  Konturen der Objekte im Hintergrund des Bildes auflösen.

AusfĂŒhrende  Ensemble Mosaik

 

Isabel Mundry »Sandschleifen« fĂŒr Violine, Viola, Violoncello, Schlagzeug und Klavier

 Die Musik findet ihren Ausgang in einem Text, der sich wiederum auf ein Bild bezieht. Sigrid  Klemms Malerei ließe sich lapidar auf Haus, BĂ€ume, Teich, Horizont und Landschaft  reduzieren, bringt aber in ihrer Darstellung auf der Schwelle von Abstraktion und  Konkretisierung die GegenstĂ€nde ins Schwimmen und lĂ€sst eine Vielfalt von  Deutungsmöglichkeiten zu. Hieran entzĂŒndete sich ein Text des Schriftstellers Carsten  Feldmann, der zwischen Beschreibung, Wahrnehmung, Metaphorik und literarischer  Entfaltung seine eigene Form entwickelt, aus der wiederum mein musikalischer Gedanke  entsprungen ist.
 Gerne wĂŒrde ich hier eine weniger verschachtelte Entstehungsgeschichte erzĂ€hlen, aber mein  kompositorisches Denken lĂ€sst sich als ein Ort beschreiben, an dem sich verschiedene  Wahrnehmungen und EindrĂŒcke kreuzen und in ihrer Schnittmenge eine Konstellation  ergeben, die unvermittelt zu einer musikalischen Idee werden kann.
 Bei „Sandschleifen“ hat die Vielfalt von Beschreibungen, die ein Text aus einem einzelnen Bild  bezieht, die Idee der Musik entstehen lassen. Ähnlich wie sich das Bild auf die oben  genannten Motive reduzieren ließe, geht auch mein StĂŒck von einfachen Gestalten aus, die im  Verlauf der Musik wiederkehren, aber sich in verschiedene Richtungen wenden und  polyphone Geflechte ergeben. So entwickelt sich ein Spiel der Verwandlung, das schließlich  auch die Form des Ganzen einbezieht. Ließen sich zu Beginn noch drei separate Teile  ausmachen, löst sich das Denken in SĂ€tzen zunehmend auf, um schließlich aus einem  mehrsĂ€tzigen StĂŒck doch ein einsĂ€tziges zu machen. „Sandschleifen“ nennt der Autor  irgendwann den Teich. Zunehmend löst sich auch die Musik vom Text, so wie sich dieser einst  vom Bild gelöst hat.

AusfĂŒhrende  Ensemble Mosaik

 

Helmut Zapf »Sand«  fĂŒr Flöte, Klarinette, Saxophon, Violine, Viola, Violoncello und Klavier

 In diesem StĂŒck bewegen sich Klangschichten in einem siebenfachen Prozess, abwechselnd  zum einen von oben nach unten und zum anderen von unten nach oben, von Es nach A.   Nach dem Treffpunkt A beginnt die Komposition einen sehr individuellen solistischen Verlauf  in den einzelnen Instrumenten, sie verlĂ€sst die Strenge der Materie und trifft sich am Ende  wieder in einer Gemeinsamkeit um Es und A.
 Sand, in der Natur ein Zufallsprodukt des Zerfalls, hat besondere Eigenschaften. Ganz  abgesehen von seiner unterschiedlichen Gesteinsherkunft und der individuellen Vielfalt und  Schönheit eines jeglichen Sandkorns in Form und Farbe, hat Sand noch weitere  AuffĂ€lligkeiten. Gerne wird er auch als vierter Aggregatzustand bezeichnet. Er verhĂ€lt sich wie  eine Mischform aus den drei anderen ZustĂ€nden. Sand  kann hart und grob sein, aber auch  weich und staubig, ebenso trocken oder nass, wie auch fließend oder klebrig. Sand ist stumm  und klanglos, aber in Bewegung versetzt, beginnt er zu klingen (singende DĂŒnen). FĂŒr dieses  StĂŒck jedoch ging es um eine  Eigenschaft, die wir auch in der Eieruhr finden: unabhĂ€ngig von  seiner Masse und seinem Volumen ganz gleichmĂ€ĂŸig zu fließen. Dies beruht auf der  besonderen Art der KraftĂŒbertragung zwischen den einzelnen Körnern, die ĂŒber ihre  BerĂŒhrungspunkte erfolgt. Schon in kleinsten AnhĂ€ufungen von Sand bilden diese Kontakte  ein Netzwerk, in dem bogenförmige BrĂŒcken entstehen, den gotischen Gewölben Ă€hnlich,  welche den Druck auf die SeitenwĂ€nde der Sanduhr leiten. Die untenliegenden Sandschichten  werden dadurch vom Gewicht des darĂŒber befindlichen Sandes entlastet, so dass der  durchschnittliche Druck oberhalb der Verengung in der Sanduhr auch bei sich verĂ€ndernden  Sandhöhen immer konstant bleibt und ein gleichmĂ€ĂŸiger Fluss gewĂ€hrleistet ist.
 Man kann beobachten, dass der Formaufbau einer DĂŒne durch Abtragungen und durch  erneute Ablagerungen (WanderdĂŒne) durchschnittlich in einem siebenmaligen, kaum  wahrnehmbaren Wiederholungsprozess stattfindet; erst dann beginnen die Sandkörner ein in  neuer Form erkennbares Netzwerk zu organisieren. Ähnlich stabiles Verhalten weisen die  Sandkörner in einer Sanduhr auf.
 Das kleine, in der Masse unauffĂ€llige Sandkorn entfaltet bei gleicher KrĂ€fteverteilung eine  unĂŒbersehbare Wirkung.

AusfĂŒhrende  Ensemble Mosaik
      Bettina Junge - Flöte, Simon Strasser - Oboe, Christian Vogel - Klarinette, Martin Losert - Saxophon,
      Roland Neffe - Schlagzeug, Ernst Surberg - Klavier,
      Chatschatur Kanajan - Violine, Karen Lorenz - Viola, Dirk Beiße - Violoncello,
      Enno Poppe - Leitung,

 

 

anschließend  Abschluss der Soundtour im Hof der Elektroanlagen Zepernick 

Dieter Schnebel  »HD«  fĂŒr 9 Harley Davidson, Trompete, Keyboard und Elektronik

 Das StĂŒck entstand 2001 auf Initiative des Berliner Musikorganisators Christoph Metzger. Er  erzĂ€hlte, er wĂŒrde eine Gruppe junger Harley-Davidson-Biker kennen, und fragte, ob ich nicht  Lust hĂ€tte, fĂŒr sie was zu komponieren – ich sei ja schließlich fĂŒr Experimente bekannt. So  sagte ich zu, denn ich mochte den sonoren Sound dieser Maschinen; und ich liebte den Film  „Easy Rider“. Als ich zu komponieren anfing, dachte ich, es mĂŒsse noch ein richtiges  Musikinstrument dabei sein, und fand eine Trompete passend: das Instrument fĂŒr Wild-West- Szenen.
 MotorrĂ€der sind hier Musikinstrumente. Sie sind wie ein kleines Orchester in einem Halbkreis  aufgestellt und werden dirigiert. Mal sind sie leise, mal laut, mal tief, mal hoch und manchmal  hupen sie. Die Trompete spielt immer wieder die Töne H und D (!). Am Ende fahren die  Maschinen los, ziehen Kreise, und die Trompete spielt das New-York-Lied von Frank Sinatra.  Eine teils melancholische, teils sentimentale, manchmal sogar religiöse Musik fĂŒr unsere  eigenen Wege.

AusfĂŒhrende  Germany Motorradclub HDBC Berlin, Trompete: Nathan Plante, Keyboard: Ya-ou XIE,
                    Klangregie: AndrĂ© Bartetzki, Leitung: Till Schwabenbauer
 

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WĂ€hrend der gesamten Randspieltage

 gibt es eine Klanginstallation 
von  AndrĂ© Bartetzki
im Kirchgarten

»neophyta«
autoaktive Klanginstallation
Neophyten (griechisch: neon - neu; phyton - Pflanze) sind Pflanzen, die
bewusst oder unbewusst, direkt oder indirekt vom Menschen in Gebiete
eingefĂŒhrt wurden, in denen sie natĂŒrlicherweise nicht vorkamen.
Der ĂŒbergeordnete Begriff in der Invasionsbiologie lautet Neobiota.

und

eine von Taymur Streng
in der neuen Kita
" drey us dr Schwiiz"

siehe Eröffnung der Kita am Samstag um 1600 Uhr

sowie eine

Ausstellung von
Maria Lucchese  »incontro«
im Gemeindehaus

 

 

 

 

Die KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler der
 Ausstellungen und Installationen

Andre Bartetzki studierte Tonmeister in Berlin, grĂŒndete und leitete das Studio fĂŒr elektroakustische Musik der Berliner Musikhochschule bis 2002. Von 1999 bis 2004 Lehre im Studio der Musikhochschule und an der Bauhaus-Uni Weimar. Freiberuflich tĂ€tig als Programmierer und Klangregisseur im Bereich Neuer Musik, Klang- und Medienkunst. Seit 1997 eigene kompositorische und medienkĂŒnstlerischere Arbeiten. Kompositionsstipendien am ZKM Karlsruhe und im KĂŒnstlerhaus Ahrenshoop.
  www.bartetzki.de 

 

Taymur Streng, geboren 1962, ab 1981 erste Versuche und Experimente mit elektro-akustustischer Musik (u.a. Selbstbau von GerĂ€ten etc.). 1988 MitbegrĂŒnder der Dark Wave Band „Neun Tage“. 1988, 1989 Teilnahme am Ferienkurs fĂŒr Zeitgenössische Musik in Gera, ThĂŒringen, Klasse: El-Akust. Musik geleitet von Lothar VoigtlĂ€nder; 1991 erste Probeaufnahmen mit S. Schöning (DIN-A-Testbild) und R. Glofke (9 Tage). 1995 MitbegrĂŒnder des „Ensemble Kunstkopf“ (D. Specht, P. Laschet, M. Machlitt, T. Streng)
ab 1995 Tonsatz und Gehörbildung bei Helmut Zapf;
seit 1996 Teilnahme an der NoiseFactory des Hörbar e.V. Hamburg, ab 2002 Klanginstallationen, u.a. bei den Randspielen in Zepernick
  www.myspace.com/tstreng 

 

Maria Lucchese  lebt und arbeitet seit 1988 in Berlin. Die Primitive Kunst, die Orientalische Orna-mentik, die Abstraktion und das Unbewusste sind die Quellen ihrer Inspiration.
DarĂŒber hinaus fĂŒhrte sie die Leidenschaft fĂŒr die Musik und das Theater zur Performativen Kunst: ein Interesse, das sich aus langer Forschung entwickelte und in dem sich die Kunst – vor allem die an Symbolismus und Riten reiche archaiche Kunst – mit dem Tanz, der Stimme und mit den KlĂ€ngen verbindet.
Sie hat an zahlreichen Ausstellungen und internationalen Kunst- und Kulturprojekten teilgenommen.
Atelier in Berlin und in Urbino, Italien
  www.marialucchese.de 

 

ErzĂ€hlerin 

Sabine Steglich  Aprilkind des Jahrganges 1965, Die familiĂ€re Berufsempfehlung: "Werde doch Schauspielerin". Weil es dies als ordentlich zu erlernenden Beruf tatsĂ€chlich gab, folgte die Studien-zeit an der "Hochschule fĂŒr Schauspielkunst Ernst Busch" in Berlin-Schöneweide, abgeschlossen mit einem Diplom der Fachrichtung Schauspiel.
Die Folgen:  Erstengagement am nun ehemaligen "Kleist-Theater" in Frankfurt/Oder 
Gastengagements regional, ĂŒberregional an offiziellen BĂŒhnen und "Off-Theater"-Erfahrungen
Eigenproduktionen (Solo, Duo...) als "ERZÄHLTHEATER BERLIN SABINE STEGLICH"
Arbeiten bei Funk und Film (u.a. jugendliche  Hauptrolle im DEFA-Spielfilm "Ab heute erwachsen")
Ich bin vom Studium her also Schauspielerin, habe nach einigen Jahren Ensemble -und anschließenen Gastspielarbeiten an verschiedenen Theatern mich mit dem ErzĂ€hltheater befasst, eigene Solo- und Duoproduktionen erarbeitet, darunter Ur- / ErstaufĂŒhrungen des zeigenössischen Autors Albert Wendt und Klassiker der Vergangenheit (W. Hauff z. B.).
Seit mindestens 10 Jahren nĂ€here ich mich tĂ€glich dem reinen ErzĂ€hlen - einer strengen und schönen sowie sehr alte mĂŒndlich ĂŒbertragenen Kunstform  - von verschiedensten literarischen oder ĂŒber-lieferten mĂŒndlichen Stoffen wie z. B. MĂ€rchen.
Ich lebe und arbeite in Berlin und bin hier sogar geboren.                           
  www.sabine-steglich.de

 

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